Chronik | Oberösterreich
26.11.2017

"Bin Verfechterin ausgewogener Mischkost"

Pflanzenbasierte Mischkost hat Vorteile, aber Mängel sollten ausgeglichen werden

In letzter Zeit führe ich immer häufiger Diskussionen über "gesunde" Ernährungsformen, mit PatientInnen, AthletInnen, aber auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Sie kennen mich schon, prinzipiell bin ich eine Verfechterin der ausgewogenen Mischkost, ich kann aber aus ethischen und ökologischen Gründen durchaus dem Vegetarismus und auch Veganismus etwas abgewinnen.Warum sich diese Gespräche häufen, hat meiner Meinung nach etwas damit zu tun, dass die Rolle der Ernährung endlich im Ausdauersport angekommen ist. Schon öfter habe ich Ihnen erzählt, dass die Kraftsportler sich schon seit Langem mit der Zusammensetzung ihrer Kost beschäftigen. Die meisten Ausdauersportler hingegen haben große Freude daran, dass sie beinahe alles essen können, weil es ihr Energieverbrauch erlaubt. Nun liegt es Gottseidank im Trend, ein wertvolles Leben zu führen, nicht nur, was die sogenannte "Work-Life-Balance" betrifft, sondern auch die Qualität unserer Nahrungsmittel, quasi auch ein biologisch wertvolles Leben.

Natürlich kommen mir da die vegetarische und vegane Ernährungsform in den Sinn. Allerdings – wie sieht es nun aus mit Mangelerscheinungen? Was sind objektiv die Vorteile dieser Ernährungsweisen? Glücklicherweise habe ich eine Untersuchung gefunden, die vor kurzem in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht wurde und viel Licht ins Dunkel bringt.

Eiweiß: Bei ausreichender Gesamtenergieaufnahme überschreiten Vegetarier und Veganer sogar die empfohlene Eiweißmenge und nehmen auch genügend essentielle Aminosäuren auf. Dies passiert durch den Konsum von Hülsenfrüchten und Sojaprodukten.

Omega 3-Fettsäuren: Gerade Veganer weisen häufig einen Mangel an speziellen Fettsäuren auf. Pflanzliche Quellen sind Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle.

Eisen: Die Eisenaufnahme an sich wäre bei vegetarischer/veganer Ernährungsweise hoch genug, allerdings wird pflanzliches Eisen im Darm viel schlechter aufgenommen als tierisches, sodass häufig Eisenmangel besteht.

Calcium: Veganer, die ja im Gegensatz zu den sogenannten Ovo-Lacto-Vegetariern komplett auf Milchprodukte verzichten, liegen mit der Aufnahme unter den Empfehlungen und sollten an Vorsorgeuntersuchungen bezüglich Osteoporose denken.

Vitamin B12: Dieses Vitamin kommt nur in tierischen Produkten vor und sollte deshalb als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Die kleine Menge, die in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut vorkommt, ist nicht ausreichend.

Die Vorteile der pflanzenbasierten Kost sind ebenfalls nachgewiesen. So sind Vegetarier und Veganer seltener übergewichtig, haben ein geringeres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu erkranken und entwickeln weniger häufig Krebsleiden des Verdauungstraktes. Frauen sollten während Schwangerschaft und Stillzeit besonders auf die Aufnahme von Eisen, Zink, Vitamin B12 sowie die Fettsäuren EPA und DHEA achten. Bei der Ernährung von Kindern und Jugendlichen liegt das Augenmerk zusätzlich auf der Eiweißaufnahme, ebenso bei älteren Menschen.

Wenn wir schon auf die Herkunft unserer Lebensmittel achten, sollten wir das auch beim pflanzlichen Eiweiß, also zum Beispiel Soja, beachten, was ähnlich schwierig ist wie beim Fisch.Ich höre immer wieder, dass es für Veganer ja unglaublich kompliziert sein muss, wertvolle Nahrungsmittel zu finden. Ich persönlich finde, dass auch wir Fleischfresser uns damit auseinandersetzen sollten. Die gute Nachricht kommt zum Schluß: Bei uns in Oberösterreich ist es durchaus möglich, sich hochqualitativ zu ernähren, ob vegan, vegetarisch oder allesfresserisch!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell