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Chronik Oberösterreich
10/29/2012

Besucher zeigten Disco-Betreiber an

In Linzer Tanztempel sollen Gäste mit Migrationshintergrund nur wegen ihrer Herkunft nicht eingelassen worden sein.

von Jürgen Pachner

So eine Behandlung lasse ich mir als österreichischer Staatsbürger nicht bieten. Es kann doch nicht sein, dass ich nur wegen meines südländischen Aussehens in ein Lokal nicht hineingelassen werde“, sagt Hassan R. über den Vorfall am 17. Dezember 2011 vor der Diskothek „Nachtwerft“.

Der 25-jährige Angestellte hat syrische Wurzeln, lebt aber seit 23 Jahren in Österreich und spricht perfekt deutsch. Am Tag nach der Eröffnung des größten Tanztempels in Oberösterreich sei er gegen 23 Uhr mit drei Freunden in die Linzer Industriezeile gefahren, um ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Vor dem Eingang hatte sich bereits eine Besucherschlange gebildet. Die vier reihten sich ein und standen etwa 45 Minuten später vor dem Türsteher.

„Er hat unsere Ausweise verlangt und dann gemeint, dass Ausländer nicht hinein dürfen“, erzählt R., der seit 15 Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt.
 Erstaunt fragten die vier nach, ob sie ihn richtig verstanden haben. Weil der Türsteher seine Begründung wiederholte, seien sie sofort zur Polizei gefahren und hätten Anzeige erstattet. „Wir waren ordentlich gekleidet, nicht alkoholisiert und benahmen uns korrekt – es gab also keinen vernünftigen Grund, uns abzuweisen“, betont R. Die Freunde kamen mit Polizisten zurück zur Disco, wo einer der Geschäftsführer aussagte, dass die vier auf die Frage nach dem Ausweis aggressiv reagiert hätten und deshalb auch nicht eingelassen worden seien.

 

Schadenersatz

An die Polizisten wandte sich vor Ort auch der Wiener Akademiker Cüneyt C., der sagte, dass auch ihm der Zutritt verwehrt worden sei. „Der Türsteher hat erklärt, dass er keine Dunkelhäutigen reinlassen darf.“ C. erstattete Anzeige.

Beide Fälle wurden inzwischen von der Gleichbehandlungskommission des Bundeskanzleramtes geprüft. Diese kam zur Überzeugung, dass die Betroffenen „allein wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit nicht in die Disco eingelassen“ worden seien.  Sie forderte den Betreiber auf, Schadenersatz zu leisten. Bis heute, Dienstag, hat dieser noch Zeit, alle Forderungen zu erfüllen, sonst droht eine Klage beim Bezirksgericht.
„Wir werden sicher nicht bezahlen – wir fühlen uns  im Recht“, betont Nachtwerk-Chef Joachim Natschläger. Ihm sei egal, welche Rasse oder Hautfarbe jemand habe – oberstes Ziel sei, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen: „Aus langjähriger Erfahrung erkennen wir schnell, wer gefährlich werden könnte.“

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