Besorgt: Die Ärztevertreter Harald Mayer, Gabriele Brinninger, Peter Niedermoser, Peter Adelsgruber und Kurt Sihorsch (v.li.).

© honorarfrei/Rudolf Laresser

Spitäler
12/06/2014

Bei Operationen drohen längere Wartezeiten

Ärzte warnen vor Einschnitten durch neues Arbeitszeitgesetz und fordern bessere Bedingungen.

von Christoph Weiermair

Die Ärztekammer hat am Freitag erneut auf den Medizinermangel in Oberösterreich hingewiesen. Waren Anfang September noch 143 Stellen in den heimischen Spitälern unbesetzt, werden ab 1. Jänner zusätzlich 156 benötigt, um den gewohnten Betrieb aufrecht zu erhalten. Dieser Mehrbedarf ergibt sich durch die elf Jahre lang hinausgezögerte Umsetzung einer EU-Richtlinie, die eine Senkung der Arbeitszeit von maximal 72 auf durchschnittlich 48 Stunden pro Woche vorsieht.

"Es ist Feuer am Dach", warnte Ärztekammer-Präsident Peter Niedermoser vor Einschnitten, die auf die Patienten zukommen: So könne es zu längeren Wartezeiten auf Operationen kommen, auch in den Spitalsambulanzen seien Einschränkungen wahrscheinlich. "Es ist damit zu rechnen, dass kein Krankenhaus die gleiche Menge an Leistungen erbringen kann wie bisher", ergänzte Harald Mayr, Kurienobmann der angestellten Ärzte.

Ein Teil der Behandlungen dürfte in den niedergelassenen Bereich ausgelagert werden. Doch auch bei den Fachärzten gibt es bereits jetzt lange Wartezeiten. "Ich glaube nicht, dass der niedergelassenen Bereich das alles auffangen kann", sagte Peter Adelsgruber, Standesvertreter der Spitalsärzte.

Versäumnis der Politik

An das neue Arbeitszeitvorschriften wollen sich die Mediziner trotzdem ohne Wenn und Aber halten: Bisher habe kein Kollege zugestimmt, bis spätestens 2021 länger zu arbeiten, als eigentlich vorgesehen (Opt-out). "Es gibt eine Riesen-Geschlossenheit", betonte Adelsgruber. Es sei lange genug Zeit gewesen, die Umsetzung vorzubereiten: "Wenn es jetzt zu Problemen kommt, ist das ein Versäumnis der Politik", stellte Ärztekammer-Präsident Niedermoser klar.

Abgesehen von kürzeren Arbeitszeiten pochen die Mediziner auf mehr Geld, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und weniger Bürokratie. Die aktuellen Bedingungen würden zu einer Abwanderung führen: Allein 2013 haben nur 600 der 1380 Absolventen einer Medizin-Universität in Österreich zu arbeiten begonnen.

Ihre Forderung haben die Ärzte bereits bei Gesundheitsreferent Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) deponiert. Nächste Woche soll die erste Verhandlungsrunde stattfinden. "Ich gehe davon aus, dass sich alle Beteiligten ihre Verantwortung bewusst sind", betonte Pühringer am Freitag und stellte eine Zwischenlösung in Aussicht, ohne dabei konkreter zu werden. Beim Krankenhausträger des Landes, der gespag, bereitet man sich mit Hochdruck auf die Umstellung ab 1. Jänner vor: Durch die Verlagerung von ärztlichen Tätigkeiten zum Pflegepersonal und eine Optimierung der Dienstpläne soll sich die Versorgung der Patienten nicht verschlechtern.