© APA/ZB/Bernd Wüstneck

Chronik Oberösterreich
03/28/2021

Bei „Bio“ dürfen die Buben leben

Noch immer werden Millionen Küken in Österreich vergast, weil sie männlich sind. Aber es gibt Vorreiter-Betriebe in OÖ

von Claudia Stelzel-Pröll

Von der Brüterei geht es direkt in den Tod. Mit CO2 werden die Neugeborenen vergast. Was grausam klingt, ist in der konventionellen Legehennenzucht Routine. Denn was genau soll man anfangen mit den männlichen Küken, die keine Eier legen? Genau diese Frage stellte sich 2014 das Team der „Eiermacher“ in Kremsmünster. Der Betrieb rund um Geschäftsführer Manfred Söllradl beschloss, einen Ausweg aus dem Dilemma zu suchen: „Wir wussten einfach, all diese Küken zu töten ist keine Basis für die Zukunft.“

Also wurde getüftelt, umgedacht und gehandelt. Seit sieben Jahren dürfen auch die männlichen Küken zumindest zehn Wochen lang leben, bevor sie geschlachtet werden. „Und mittlerweile sind alle Bio-Betriebe in Österreich auf den Zug aufgesprungen.“ Wer also heimische Bio-Eier kauft, kann sich sicher sein, dass dafür keine Küken direkt nach der Geburt sterben mussten.

Bruderhähne

Bruderhahn wird dieser Gockel genannt, der weiterleben darf: „Seine Schwester, die Legehenne, sichert ihm quasi die Existenz“, bringt es Martin Mayringer, Geflügelreferent der Landwirtschaftskammer OÖ auf den Punkt. Das sei natürlich mit enormen Kosten verbunden, aber seit einem Jahr beginnen auch konventionelle Betriebe, Bruderhähne aufzuziehen.Die Mehrkosten pro Schachtel seien auch die Sorgen der Biobauern und Produzenten gewesen. Zum Glück waren es unberechtigte Sorgen: „Der Absatz hat von Anfang an gepasst, offenbar sind das Themen, die den Konsumentinnen und Konsumenten wichtig sind. Und seien wir ehrlich: Pro Jahr und Kopfverbrauch an Eiern geht es um rund fünf Euro. Das ist wirklich verkraftbar“, sagt Manfred Söllradl von den „Eiermachern“, die ihre Firmenzentrale in Kremsmünster haben.

1,1 Mio. Legehennen brüten derzeit in OÖ Eier aus. 120.000 bis 150.000 Hennen laufen als sogenannte „Selbstversorger“ auf Bauernhöfen und in Privathaushalten herum.

In Österreich werden gesamt pro Jahr rund 700.000 Bruderhähne aufgezogen, 400.000 davon alleine von den Eiermachern. Von er Brüterei wandern sie zu Bio-Betrieben mit 5000 bis 10.000 Tieren und werden dort versorgt.

Einer dieser Betriebe ist der Biohof der Familie Tretter in Schlierbach. Seit rund fünf Jahren ziehen Erwin und Nicole Tretter Bruderhähne auf, haben extra einen Stall gebaut. Ein Teil der Tiere wird nach zehn Wochen geschlachtet und verarbeitet – zum Bruderhahn im Glas: „Wir machen Coq au Vin mit dem Schenkel, Paprikahahn mit der Brust und aus dem Rest eine Bolognese, damit wirklich alles vom Tier verbraucht und nichts verschwendet wird“, erklärt Nicole Tretter.

Tierwohl

Rund 8000 Hennen leben derzeit in drei Ställen auf dem Hof, dazwischen sorgen ein paar Leithähne für Ordnung. „Wir sind ein Biohof und uns geht es wirklich darum, für das Wohl des Tieres zu sorgen“, erklärt Nicole Tretter.

35 Lebenstage vor der Schlachtung

Fleischproduktion. Es ist ein kurzer Auftritt. Auf die Welt kommen, fressen, fressen, fressen, um möglichst viel Fleisch anzusetzen. Und nach 35 bis 42 Tagen ist  schon wieder Schluss mit lustig. So lange lebt ein Hendl in Österreich in einem konventionellen Mastbetrieb. Bio-Hendl müssen nicht so schnell Fleisch ansetzen und werden nach 57 bis 60 Tagen geschlachtet.

54 Biobetriebe

91 konventionelle Mastbetriebe und 54 Biobetriebe gibt es in Oberösterreich. Von 2,54 Mio. konventionellen Mastplätzen befinden sich  700.000 in Tierwohlprogrammen. „Alle 35 Stallungen, die in den vergangenen Jahren gebaut worden sind, haben Tageslicht und einen Wintergarten. Wir sprechen hier aber nicht von  Weidehaltung“, sagt Martin Mayringer, Geflügelreferent der Landwirtschaftskammer OÖ. Der Trend geht auch hier immer mehr zu Bio.

Ein echter Platzhirsch in Sachen Geflügelmast ist Huber’s Landhendl in Pfaffstätt in der Nähe von Mattighofen.

Rund zwei Kilo lebend bringt ein konventionelles und 2,2 kg ein biologisch gemästetes Tier bei der Schlachtung auf die Waage. „Im Vergleich dazu schafft es der Bruderhahn, also jenes Küken, das überleben darf, auch wenn es keine Eier legen kann, nur auf knapp ein Kilo. Das sind einfach unterschiedliche Züchtungen“, erklärt Mayringer. Die eine Rasse sei dafür ausgelegt, möglichst schnell möglichst viel Fleisch anzusetzen. Und die andere dafür, möglichst wenig Fleisch anzusetzen, dafür sämtliche Energie in die Eierproduktion zu stecken.

„Es sind  verschiedene Angebote, die hier auf den heimischen Markt kommen. Der Konsument, die Konsumentin entscheidet schlussendlich mit dem Kauf, in welche Richtung es geht“, resümiert Mayringer.

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