Chronik | Oberösterreich
13.03.2013

Unbekannte verübten mehrere Anschläge auf Zeugen Jehovas

Königreichssaal wurde mit Luftdruckgewehr beschossen. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Immer wenn die Zeugen Jehovas in Bad Ischl momentan ihre Treffen abhalten – meistens am Freitagabend und Sonntagvormittag – haben sie dabei ein mulmiges Gefühl. Kein Wunder: Wurden doch auf die Religionsgemeinschaft, die in der Kaiserstadt 80 aktive Mitglieder hat, mehrere Anschläge verübt. „Begonnen hat alles in der Halloween-Nacht des vergangenen Jahres“, erzählt Manfred Obermayr, der sogenannte Jehovas-Älteste. Damals haben Unbekannte insgesamt sechs Fensterscheiben des „Königreichssaals“ (Versammlungsgebäude) eingeschossen – mit Steinen.

Einige Wochen später sei mit einem Luftdruckgewehr mehrmals auf die Fassade des Hauses gefeuert worden. Die Spuren der Projektile sind noch jetzt zu sehen. „Außerdem haben die Täter unseren Saal mit rohen Eiern beworfen“, sagt Obermayr.

Und nun – vor ein paar Tagen – habe jemand mit einer Steinschleuder die vier Toilettenfenster zerstört.

Der 44-Jährige kann sich nicht vorstellen, wer für die Anschläge infrage kommt. „Wir sind mit allen Nachbarn in gutem Einvernehmen. Irgendjemand muss persönlich etwas gegen einen von uns haben“, glaubt Obermayr, der auch einen Lausbubenstreich für möglich hält.

Die Polizei nimmt die Vorfälle sehr ernst und ermittelt auf Hochtouren. „Bis jetzt gibt es aber noch keine Verdächtigen“, sagt eine Beamtin zum KURIER.

Nazi-Schmierereien

Ob ein Zusammenhang mit Nazi-Schmierereien auf öffentlichen Gebäuden im Herbst 2012 bestehe? „Davon gehen wir nicht aus. Das eine dürfte mit dem anderen nichts zu tun haben.“

Die Zeugen Jehovas gibt es in Bad Ischl schon seit Ende der 1920er-Jahre. Eines der ersten Mitglieder war Leopold Engleitner, mit 106 Jahren der älteste KZ-Überlebende. „Wir haben keine Feinde, aber es ist natürlich eine gewisse Verunsicherung zu spüren“, gesteht Obermayr ein.

Bad Ischls Bürgermeister Hannes Haide (SPÖ) fordert eine rasche Aufklärung. „Die Täter müssen unbedingt ausgeforscht werden. Das ist mir wichtig. Es geht hier um eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.“ Als Folge der Attentate haben die Zeugen Jehovas beschlossen, in nächster Zeit Überwachungskameras beim Königsreichssaal anzubringen. „Es bleibt uns offenbar nichts anderes übrig.“