Chronik | Oberösterreich
02.12.2018

Backen Sie Haferflocken-Kekse!

Selbst bei den süßen Verführern ist es möglich, sich gesund zu ernähren

Dieses Wochenende findet mein „Kekse-Back-Wochenende“ statt, wie wahrscheinlich in vielen anderen Haushalten auch. Mein Sohn und ich stehen in der Küche in Kleidung, die besser bemehlt ist als die Arbeitsfläche, wir trinken selbst gemachte heiße Limonade und singen voller Inbrunst nicht immer ganz richtig – an dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Nachbarn herzlich entschuldigen.

Lebkuchen

Im Gegensatz zu meiner Mutter, die seit ich denken kann, Unmengen der schönsten und schmackhaftesten Kekse produziert, sind meine alljährlichen vier Sorten etwas mager, aber dafür von meinem Assistenten liebevoll geknetet und ausgestochen. Jedes Jahr backen wir Lebkuchen sowie Cantuccini, die beiden anderen Sorten variieren.

Honig statt Zucker

Im vergangenen Jahr habe ich erstmals versucht, „gesunde“ Kekse zu backen. Das heißt, ich habe Honig statt Zucker verwendet, kein Weißmehl, aber umso mehr Haferflocken. Natürlich habe ich das Wort „gesund“ während der Back-Orgie nicht fallen lassen.

Das Ergebnis war äußerst positiv. Die Herstellung war lustig, der Geschmack definitiv weihnachtstauglich. Warum sind Haferflocken eigentlich so gesund? Zum Einen sind Haferflocken Vollkorn, das bedeutet, dass viele Mikronährstoffe wie Kalium und Magnesium, aber auch B-Vitamine erhalten bleiben. Diese können gemeinsam mit der ebenfalls enthaltenen Vorstufe des Glückshormons Serotonin unsere Stimmungslage verbessern. Zusätzlich sorgen die komplexen Kohlehydrate der Flocken für eine lange Sättigung sowie für einen nur langsamen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dies wirkt sich positiv für Zuckerkranke aus und verhindert außerdem Heißhungerattacken. Das wahre Zaubermittel in den Haferflocken ist allerdings das Beta-Glucan. Wie alle Ballaststoffe quillt es im Darm auf und fördert damit wiederum das Sättigungsgefühl, aber auch die Verdauung.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin

Cholesterinsenker

Das Beta-Glucan senkt erwiesenermaßen unser Gesamtcholesterin wie auch das „schlechte“ LDL-Cholesterin. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem hohen Risiko dafür sollten also bei Haferflocken kräftig zulangen. Auch die Gefahr, an Darmkrebs oder Diabetes zu erkranken, wird reduziert. Haferflocken stellen eine hervorragende pflanzliche Eiweißquelle dar, weshalb sogar Bodybuilder darauf schwören. Der Fettanteil liegt bei sieben Prozent, die enthaltenen Fettsäuren sind vor allem ungesättigt und helfen somit dabei, unsere Gefäße zu schützen.

Hafermark

Ob Sie nun die kernigen, die zarten Flocken oder das Hafermark verwenden, ist unerheblich. Hafermark löst sich übrigens beim Einrühren in Flüssigkeit sofort auf und ist dann trinkbar. Deshalb wird es auch als Säuglings- und Krankenkost verwendet. Habe ich einen langen Tag mit wenig Jausenpausen vor mir, kommt das Mark auch in meinen Guten-Morgen-Smoothie.

Gesund und gut

Sie sehen, Haferflocken haben nicht nur im Müsli ihre Berechtigung. Vielleicht ersetzen Sie einfach eine Sorte Kekse durch eine mit Haferflocken. Sie werden sehen, wie knusprig und weihnachtlich diese mit Nüssen, Honig, Zimt und anderen Gewürzen schmecken. Und ich garantiere Ihnen, die Kekse werden nicht auf dem Teller liegen bleiben und als „gesund“ enttarnt werden. Frohes Backen!

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin Allgemeinmedizin in Bad Zell