Ferdinand Sammern-Frankenegg

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Chronik Oberösterreich
11/16/2020

Andenken an SS-Schlächter von Warschau

Das Kriegerdenkmal in Peuerbach trägt mit dem SS-Offizier Ferdinand Sammern- Frankenegg einen historisch schwer belasteten Namen. Von Gerhard Marschall.

Peuerbachs Bürgermeister Wolfgang Oberlehner druckst herum. Er höre davon zum ersten Mal, sagt er, obwohl er bereits vor Wochen darauf aufmerksam gemacht worden ist: Auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof der Stadt im Bezirk Grieskirchen steht auch der Name des Kriegsverbrechers Ferdinand Sammern-Frankenegg. 1897 in Grieskirchen geboren, war Sammern-Frankenegg im Ersten Weltkrieg im Fronteinsatz. Nach seiner Entlassung aus italienischer Gefangenschaft schloss er in Innsbruck das Jusstudium ab. Ab 1929 arbeitete er als Anwalt in Peuerbach und war einschlägig politisch aktiv. Bereits im Dezember 1932 trat er der SS bei, im März 1933 der NSDAP. Er war Ortsgruppen- und Bezirksleiter, Gauredner, Mitglied im Lebensborn e.V. Mehrmals wurde er wegen staatsfeindlicher nationalsozialistischer Betätigung verurteilt, drei Monate war er im Anhaltelager Kaisersteinbruch interniert.

Kein Mitläufer

Sammern-Frankenegg war kein Mitläufer. Immerhin wurde er nach dem „Anschluss“ Österreichs hauptamtlicher SS-Führer und Mitglied des Großdeutschen Reichstags. Irgendjemandem in Peuerbach sollte dieser Name etwas sagen. „Das war zu einer Zeit, wo man nicht so an diese Dinge gedacht hat“, vermutet ÖVP-Mann Oberlehner. Soll heißen: Damals, in den Nachkriegsjahren, seien ausnahmslos alle Toten verewigt worden. Allerdings wurde das alte Kriegerdenkmal 2008 durch ein neues ersetzt, wieder ohne Nachforschung und Differenzierung. „Die Namen sind auf Vorschlag des Herrn Pfarrers auf den Friedhof gekommen“, erinnert sich der Bürgermeister. In einer Nische wurde eine Tafel angebracht. Das Projekt wurde vom Kameradschaftsbund betrieben. Er habe die Namen vom Kriegsopferverband übernommen, erklärt Obmann Franz Sallaberger-Lehner. „Es stehen ja nur die Namen der Gefallenen oben. Was zuerst war, weiß man nicht.“

Sammern-Frankenegg kam 1944 bei Kämpfen nahe Banja Luka ums Leben. 1943 war er auf den Balkan versetzt worden. Zuvor war er SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau gewesen, zuständig für die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Das Warschauer Ghetto wurde ab Juli 1942 im Rahmen der „Endlösung der Judenfrage“ aufgelöst, an die 350.000 Bewohner wurden in Vernichtungslager geschickt. In einem Brief an die Kreishauptämter ordnete Sammern-Frankenegg im März 1943 an, dass „sofort mit größter Energie“ die bis dato nicht erfassten Juden „festzustellen und der Gendarmerie zur Liquidierung zuzuführen sind“. Als Prämie wurde ein Drittel des Vermögens der gemeldeten Juden ausgelobt. Über Monate ließ Sammern-Frankenegg Menschen zum Abtransport zusammentreiben, bis zu 15.000 pro Tag. Außerdem war das Morden im Ghetto tägliche Praxis.

Der deutsche Historiker Stefan Klemp hat das grausame Regime unter dem Kommando des Oberösterreichers aufgearbeitet. Es habe einen Wettbewerb um Judenerschießungen gegeben. Eine Polizeieinheit habe sich „Mord-Bataillon“ genannt und das Töten zum Kult gemacht.

Laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) war Sammern-Frankenegg ein hochrangiger Funktionär der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, was in der wissenschaftlichen Literatur hinlänglich dokumentiert sei. Der Umstand, dass er im Zuge einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Partisanen ums Leben kam, rechtfertige keinesfalls, ihn heute als Kriegshelden zu ehren.

Verhöhnung der Opfer

„Es ist unpassend, dass man einem, der vor allem Täter war, der definitiv und erwiesenermaßen Leben vernichtet hat, öffentlich gedenkt“, sagt Charlotte Hermann, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Von einer „unglaublichen Verhöhnung der Opfer, die wir nicht hinnehmen werden“, spricht Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich. „Mit Sicherheit lehnt auch die große Mehrheit der Bevölkerung in Peuerbach die skandalöse Würdigung eines Holocaust-Täters ab“, ist Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsex tremismus, überzeugt. „Wir fordern Bürgermeister Oberlehner und die anderen Verantwortlichen auf, rasch für die Entfernung zu sorgen.“

Bürgermeister denkt nach

Ob der belastete Name entfernt wird? „Überpicken“ schlägt der Kameradschaftsbund-Obmann vor. Löschen sei schwierig, da es sich um eine Glastafel handle. Diese Frage könne er nicht beantworten, sagt der Bürgermeister: „Ich muss erst einmal darüber nachdenken."

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