Chronik | Oberösterreich
03.02.2018

1600 Menschen bei Demo gegen Burschenbundball in Linz

Auch Protest gegen schwarz-blaue Bundes- und oberösterreichische Landesregierung. Kundgebung vom Bündnis "Linz gegen Rechts" organisiert Uni-Rektor trat am Ball gegen Antisemitismus auf.

Mit deutlich mehr Teilnehmern, aber ruhiger als im Vorjahr ist die Demonstration des Bündnisses " Linz gegen Rechts" am Samstagabend in der Linzer Innenstadt über die Bühne gegangen. Rund 1.600 Personen gingen laut Schätzungen der Polizei anlässlich des Burschenbundballs auf die Straße, der Protest richtete sich jedoch vor allem gegen den "Sozialabbau unter Schwarz-Blau" im Bund und in Oberösterreich.

Um 17.30 Uhr marschierten rund 600 Teilnehmer vom Pfarrplatz zum Landhaus an der Promenade. Auf ihrem Weg dorthin gesellten sich immer mehr Personen, die vor allem gegen die Wiedereinführung der Gebühren für die Nachmittagsbetreuung in den oberösterreichischen Kindergärten protestierten. Gegen Ende der Kundgebung auf dem Martin-Luther-Platz waren es dann an die 1.600 Teilnehmer. Bis dahin war es laut Polizei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen.

Das Bündnis "Linz gegen Rechts" hatte auch heuer wieder zu der Demo aufgerufen, die sich bisher immer in erster Linie gegen den Burschenbundball im Palais Kaufmännischer Verein gerichtet hatte. Heuer wurde auch "aktuellem Anlass" der Protest ausgeweitet. Die Burschenschaft Germania zeige mit ihrer Nazi-Liederbuch-Affäre einmal mehr, dass Antisemitismus und "die Glorifizierung des NS-Terrors" heute noch existent seien und daher konsequent bekämpft gehören, lautete der Aufruf zur Demonstration.

Landeshauptmann und Uni als Ehrenschutz

Die Grünen kritisierten einmal mehr, dass der Linzer Burschenbundball unter dem Ehrenschutz des Landeshauptmanns und der Johannes Kepler-Universität stehen. Sie forderten von Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) eine Distanzierung.

Am Ball bekannte sich der Rektor der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Meinhard Lukas, in seiner Eröffnungsrede zum Ehrenschutz für dieses Fest. Gleichzeitig sprach er aber auch über eine "rote Linie", die "gewiss nicht allein das Strafrecht zieht". Entschieden trat er gegen Extremismus, Antisemitismus und Faschismus auf.

Er kenne "null Toleranz, wo sich eine menschenverachtende Ideologie wie ein Chamäleon artikuliert". Universitäten würden sich gerade dort eine sorgsame Kommunikation erwarten, "wo uns als Gesellschaft eine besondere historische Verantwortung trifft", meint er in seiner Ansprache. Dies sei eine Botschaft vor allem an Studenten in nationalen Verbindungen.

Deutschnationale Idee trage "historischen Ballast"

"Natürlich lässt das Liederbuch einer Verbindung keinen Schluss auf alle nationalen Verbindungen zu", trat er gegen Pauschalverurteilungen auf. "Wer aber die im Habsburgerreich geborene deutsch-nationale Idee auch heute hochhält, muss sich ihres historischen Ballastes bewusst sein." Umso wichtiger seien klare Abgrenzungen von den dramatischen historischen Fehlentwicklungen im Namen dieser Idee, so Lukas.

Überschritten wird für den Linzer Rektor die "rote Linie" dann, wenn der "Grundkonsens, der unsere freie, demokratische und humanistische Gesellschaft ausmacht", verlassen werde. Die JKU bekenne sich zu einer pluralen Gesellschaft, daher besuche die Universitätsleitung auch die Rote Nacht (Fest der SPÖ), den Ball des Cartellverbands sowie den Burschenbundball. "Mit unserem Ehrenschutz bekennen wir uns zu einer Universität der Vielfalt - zu nicht mehr und nicht weniger," stellte Lukas klar.