Chronik | Oberösterreich
02.09.2018

10.000 Schritte täglich

Bewegung. Menschen in Ballungszentren legen mehr Kilometer zu Fuß zurück

Mesdames et Messieurs, heute melde ich mich aus Frankreich, genauer gesagt, aus Euro-Disney. Ich habe mich durch ein paar herzzerreißende Bitten und Schmeicheleien à la „Mami, du bist die Beste“ breitschlagen lassen und verbringe nun einige Tage im europäischen Zentrum der Reizüberflutung. Allerdings beobachte ich außer Mickey Mouse und Captain America natürlich auch noch die Menschen um mich herum. Ein erschreckend großer Anteil der Touristen ist übergewichtig, und das wird sich während ihres Aufenthaltes im Disneyland auch nicht ändern.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin

Nur Fast-Food-Läden

Zuhause habe ich – sehr naiv, wie ich feststellen musste – noch überlegt, wo ich wohl Jause für den Tag in den Parks besorgen kann. Dass man gefühlt bei jedem zehnten Schritt über einen Popcorn-, Eis- oder Waffelstand stolpert und es eine deutlich höhere Anzahl an Fast Food-Läden und Disney-Shops gibt als Attraktionen, hat mich überrascht. Und diese Geschäfte sind den ganzen Tag lang überfüllt!

Zugegeben, ich hätte meinem Sohn während seines Traum-Urlaubes sicherlich keinen grünen Smoothie aufgedrängt, aber es ist tatsächlich schwierig, hier etwas anderes als Pommes, Burger oder Pizza zu essen. Wahrscheinlich liegt Euro-Disney auf neutralem Boden, denn die Franzosen sind außer für ihre gute Küche auch noch für ihre schlanken Körper bekannt. Sie bilden in Europa die positive Ausnahme, denn nur etwas mehr als zwölf Prozent der Erwachsenen sind übergewichtig. Die traurige Liste führt übrigens Großbritannien mit knapp fünfundzwanzig Prozent an.

In direktem Zusammenhang mit dem Übergewicht steht neben der Ernährung auch die Anzahl der täglich zurückgelegten Schritte. Zur Vorbeugung von Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Alzheimer-Demenz werden zehntausend Schritte empfohlen, das entspricht circa sechseinhalb Kilometern. Wir Österreicher marschieren täglich 5.351 Schritte. Das liegt knapp über der roten Zone, denn unter fünftausend Schritte sollte man sich nicht „bewegen“. Die Spitzenreiter stellen die Einwohner Hongkongs mit 6.879 Schritten pro Tag dar.

Überhaupt legen die Menschen in Ballungszentren mehr Wege zu Fuß zurück, was nicht nur an der Notwendigkeit eines Autos sondern auch an der Anzahl von Grünflächen liegt. So gehen die New Yorker und die Pariser oft mehr als zehn Kilometer täglich, nicht als Training, sondern einfach im Alltag. Das spiegelt sich dann natürlich im Bodymass Index wider.

Gerade Männer profitieren von dieser Aktivität, da das stoffwechselaktive Bauchfett hiedurch besonders gut schmilzt. Und dieses ist immerhin ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es wurden Untersuchungen durchgeführt, wie gut Menschen ihre Geschäftigkeit einschätzen können. Ich hatte mir schon gedacht, dass wir uns dynamischer machen als wir eigentlich sind, siehe da – die Probanden verschätzten sich um bis zum Zehnfachen! Sind Sie neugierig geworden? Die meisten Smartphones können Ihre Schritte zählen, wenn Sie es möchten, versuchen Sie es doch einmal zum Spaß! Meine Uhr besitzt einen integrierten Schrittzähler, den ich heute zum ersten Mal beachtet habe, weil ich die Anzahl einfach so gar nicht einschätzen kann. Ich habe unglaubliche 20.336 Schritte zurückgelegt. Dementsprechend freue ich mich schon auf ein Bett und weiß, dass mir das Nutella-Crepe, an dem ich einfach nicht vorbei konnte, nichts anhaben kann.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs-und Sportmedizinierin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell.