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Chronik Niederösterreich
09/06/2019

Zwei Jahrzehnte bis zur Autobahn

Karl Wilfing gilt als Vater der Weinviertelautobahn. Jetzt ist die Straßenverbindung fertig.

von Matthias Hofer

Die Großglockner Hochalpenstraße gilt bis heute als Meisterleistung österreichischer Ingenieurskunst und touristische Top-Attraktion. Die Realisierung des spektakulären Alpenübergangs dauerte insgesamt 13 Jahre. Als 1922 eine Gruppe österreichischer Experten Pläne für eine Straße über die Hohen Tauern vorlegte, erntete sie vorwiegend Spott.

Mit teils scharfem Gegenwind hatte auch der junge Bundesrat Karl Wilfing zu kämpfen, als er 1998 seine politische Vision einer Autobahn durchs Weinviertel an die tschechische Grenze formulierte. Auf die Umsetzung des Projekts musste der „Vater der Nordautobahn“ aber acht Jahre länger warten, als damals die Initiatoren der Hochalpenstraße. Aber nach insgesamt 21 Jahren erlebt der heutige Landtagspräsident Wilfing am Wochenende die Eröffnung des letzten Teilstücks der A5 bei Drasenhofen. Der KURIER traf ihn zum Gespräch.

„Ja, das war meine politische Lebensaufgabe“, sagt der heute 59-Jährige. „Umso erfreulicher ist, dass es geklappt hat. Nicht vielen Politikern ist es vergönnt, solche Erfolge noch in ihrer aktiven Zeit zu erleben.“

Mehr als 20 Jahre lang habe er sich nahezu jeden Tag mit der Nordautobahn befasst, erzählt Wilfing. Als er 1998 Bundesrat geworden ist, habe er die Leute in seiner Region nach wichtigen Anliegen gefragt. „Eine Autobahn, haben damals die meisten geantwortet.“ Also stellte sich Wilfing an die Spitze der Autobahn-Befürworter und trieb das Projekt voran – gegen alle Widrigkeiten, wie er sich heute erinnert.

Überzeugungsarbeit

Tage- und mitunter nächtelang war er unterwegs, um Gegner von der Notwendigkeit der Nordautobahn zu überzeugen. Aber nicht nur sie – auch Verantwortliche im Verkehrsministerium, Bürgermeister und Entscheidungsträger in Tschechien bis hin zu Parteikollegen, von denen manche von der A5 ganz und gar nicht überzeugt schienen. Zumal im damaligen Landesverkehrskonzept als Kompromiss der vierspurige Ausbau der B7 inklusive Ortsumfahrungen fixiert war.

„Es war das Bohren sehr harten Bretter“, erinnert sich Wilfing heute. Als schließlich die erste Hürde genommen war und es tatsächlich an die Trassierung der neuen Autobahn ging, fingen für Wilfing die härtesten Verhandlungen erst an. Es galt, zahlreiche Grundstückseigentümer davon zu überzeugen, ihre Flächen zum gebotenen Preis abzutreten.

Wette

Projektgegner waren nach wie vor sicher, Wilfing würde mit seiner Idee scheitern. An einen davon erinnert sich Wilfing noch sehr gut: den Grün-Politiker Christian Schrefel. „Um das Jahr 2000 herum hat er mir um eine Kiste Sekt gewettet, dass die Nordautobahn niemals kommen wird.“ Erst vor kurzem habe er Schrefel an die damalige Abmachung erinnert. „Er hat zugesagt, dass er seine Wettschulden begleichen wird“, schmunzelt Wilfing.

Der Spatenstich für den südlichen Autobahnabschnitt von Eibesbrunn nach Schrick erfolgte am 26. Februar 2007, die Eröffnung der Strecke im Jänner 2010.

Um im Hinblick auf den nächsten Bauabschnitt Druck zu machen, legte eine Bürgerinitiative 2013 eine Verkehrszählung im Ortsgebiet von Poysdorf vor. Das Ergebnis: In 24 Stunden waren mehr als 22.000 Fahrzeuge durch die Weinviertler Gemeinde gerumpelt, mehr als 3000 davon waren Lkw.

Nachdem die letzte Beschwerde im Oktober 2014 vom Verwaltungsgerichtshof verworfen worden war, begannen die Bauarbeiten mit einjähriger Verzögerung im April 2015. Die Verkehrsfreigabe erfolgte Ende 2017.

Und in den nächsten Tagen werden die ersten Autos und Lastwagen auf dem letzten Teilstück bei Drasenhofen unterwegs sein.

Ostbahn

An die Politpension denkt Karl Wilfing übrigens trotz Erfüllung seines Autobahntraums nicht. Er hat sich bereits neue Ziele gesteckt. „Wir brauchen jetzt eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, ganz konkret auf der Ostbahn-Verbindung von Wien nach Laa.“ Mangels entsprechender Ausweichstellen würden sich in Wien aufgerissene Verzögerungen häufig bis zur Endstation ziehen. „Wir brauchen diese Ausweiche. Tausende Verspätungen wären damit behebbar“, sagt Wilfing. Wie lange er diesmal auf die Realisierung warten muss, wird sich zeigen.