Frauen jahrelang an Freier verkauft

Illegales Bordell hatte eigene Homepage - Bürgermeister sah misshandelte Opfer.


Sie wollte als Pflegehelferin arbeiten, er suchte eine Sex-Sklavin: In diesem Raum empfing Jana P. die Freier. Im Bild ein Barbereich im Keller des Hauses. Sauna- und Barbereich im Keller des Hauses. Die Polizei hat in dem Haus zudem mehrere illegale Waffen sichergestellt.

Ein Bett, eine Toilette und eine Waschmaschine. Im Raum nebenan ein Barbereich mit Sauna. So sah das Sex-Gefängnis von Jana P. aus, in dem sie über Monate hinweg die Freier empfing. Die Slowakin machte das nicht freiwillig. Sie war gefangen im Keller eines schmucken Einfamilienhauses in einer kleinen Ortschaft im Bezirk Tulln, NÖ. Wenn sie nicht spurte, wurde sie von Andreas W. verprügelt. Oder er drohte der Frau, dass er ihren achtjährigen Sohn – er lebt in der Slowakei – erschießen würde. Es ist nur schwer vorstellbar, welche Ängste und Demütigungen die 30-Jährige durchstehen musste. Bis sie sich endlich an eine Bekannte wenden konnte und die Polizei einschritt.

W., ein 46-jähriger Frührentner, sitzt in U-Haft. Laut seinem Anwalt Jürgen Brandstätter bestreitet er die Vorwürfe. Doch die Ermittler sind sich sicher, dass er die Frau im Internet unter einem Vorwand nach Österreich lockte. Sie wollte als Pflegehelferin arbeiten, er suchte eine Sex-Sklavin. Der Verdächtige soll in zwei Wohnungen in Wien weitere Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Auch in Stockerau wollte er ein „Studio“ eröffnen.

atzelsdorf… Foto: Johannes Weichhart Im Keller dieses Hauses war die Slowakin gefangen

Dass W. als gefährlich einzustufen ist, zeigt auch das Ergebnis einer Hausdurchsuchung. Obwohl gegen den Mann ein Waffenverbot vorliegt, fand die Polizei in seinem Haus Schlagringe, Kampfmesser, sowie – in einem Sofa eingenäht – zwei Pistolen samt Munition.

Der Bürgermeister des Orts kennt W. seit seiner Kindheit. „Er hat sein Geschäft über Jahre hinweg auf einer Homepage beworben“, erzählt der Ortschef. Auch Anzeigen bei der Bezirksbehörde hätten das illegale Treiben nicht stoppen können.

"Treppensturz"

Der Bürgermeister bekam im Zuge behördlicher Erhebungen auch offensichtlich misshandelte Frauen zu Gesicht. Dabei sei der Beschuldigte stets von seiner Mutter gedeckt worden, der auch das Haus gehöre: „Die Mutter sagte, die Mädchen seien über die Treppe gestürzt.“

So brutal der Fall auch klinge, er sei „gar nicht so ungewöhnlich“, sagt Oberst Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt. Die Ermittler registrieren eine Zunahme erzwungener Sexarbeit in illegalen Etablissements. Die Opfer werden mit Gewalt oder Drohungen gegen ihre Familie gefügig gemacht. Die fast ausnahmslos männlichen Täter sind von 18 bis über 60 Jahre alt und haben meist gute Beziehungen zum Herkunftsland der Frauen.

Brisante Details

„Bis zu 15 Männer pro Tag “

Nachbarn wussten über geheimes Bordell Bescheid

Am dritten Tag nach Bekanntwerden des Dramas um eine slowakische Pflegehelferin, die im Bezirk Tulln in einem Keller eingesperrt und zur Prostitution gezwungen worden sein soll, kommen immer mehr Details über den Beschuldigten Andreas. W. – er sitzt in Untersuchungshaft – ans Tageslicht.

Dass der Mann in seinem Haus Prostituierte für sich arbeiten ließ, gilt im kleinen Ort als offenes Geheimnis: „Jeder hat gewusst, dass er die Mädchen hat. Da sind bis zu 15 Männer pro Tag gekommen“, sagt eine Nachbarin. Man habe gedacht, es handle sich um ein legales Bordell.

Was zumindest einige Jahre lang auch stimmte: „Bis 2009 war an der Adresse eine Prostituierte legal gemeldet. Sie ist zu den vorgeschriebenen Gesundheitskontrollen gekommen“, weiß Bezirkshauptmann Andreas Riemer.

Nachbarn wurden wiederholt zu Zeugen von Gewaltanwendung und Polizeieinsätzen: „Vor ein paar Jahren ist eine junge Frau mit einem kleinen Kind zu uns gekommen und hat gesagt, sie wurde von W. geschlagen. Wir haben die Polizei gerufen und mussten später als Zeugen vor Gericht aussagen.“ Namen wollen die Anrainer allesamt keine nennen: „Wer weiß, ob er wieder herauskommt.“

Ehemalige Freier der Prostituierten müssen übrigens mit Befragungen durch die Polizei rechnen: Die Ermittler haben die Rufdaten der Handys mehrerer Mädchen ausgeforscht. Derzeit sind den Kriminalisten drei Frauen als Opfer namentlich bekannt.

(KURIER) Erstellt am
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