Für Marissa gab es eine Schultüte

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Kritik am Bund
09/02/2016

Zum Schulstart fehlen 150 Lehrer

Pädagogen für Deutschkurse werden dringend gebraucht. Neuer Höchststand bei den Taferlklasslern.

von Johannes Weichhart

"Wir schaffen das, weil wir gut gerüstet sind". So lautet die Parole von Landesrätin Barbara Schwarz und Landesschulratspräsident Johann Heuras wenige Tage vor Schulbeginn in Niederösterreich. Die Motivationsansage kommt nicht von ungefähr. Denn die Anforderungen an die Pädagogen steigen permanent.

Das liegt auch daran, dass die Anzahl der Flüchtlingskinder an Schulen und Kindergärten deutlich gestiegen ist. Derzeit gebe es an den niederösterreichischen Pflichtschulen 3062 Asylwerber. Das seien laut Schwarz vier Mal so viele wie noch zu Schulbeginn 2015. Auch in den Kindergärten, wo sich interkulturelle Mitarbeiter zusätzlich mit der Betreuung der Kleinen beschäftigen, habe sich die Zahl der Flüchtlinge nahezu verdoppelt. Das Problem: Es fehlen Lehrer für die Deutschkurse. Und zwar 150 Pädagogen, wie Heuras betont.

Verantwortung

"Der Bund muss endlich seine Verantwortung im Dienstpostenbereich wahrnehmen und ausreichend Personal zur Verfügung stellen", lautet die Ansage in Richtung Regierung. Um in diesem Bereich keinen Lehrernotstand zu bekommen, hat das Land im vergangenen Schuljahr 95 zusätzliche Vollzeit-Posten bereitgestellt. Kostenpunkt: rund vier Millionen Euro. Geld für diese zusätzlichen Stellen habe man allerdings noch nicht erhalten", kritisiert Schwarz.

Warteliste

Andererseits gibt es besonders bei Volksschullehrern derzeit Probleme, Absolventen zu beschäftigen. In Niederösterreich konnte kein einziger eingestellt werden, der 2016 seine Ausbildung absolviert hat. Wartelisten gibt es aber auch an den höheren Schulen. Besonders in den Unterrichtsfächern Psychologie, Pädagogik, Geschichte – und Französisch. "Das liegt daran, dass der Trend zu Spanisch geht", erklärt Heuras. Er hofft aber, dass sich den kommenden zwei Jahren die Situation entspannen wird, "weil viele Pädagogen in Pension gehen".

Es gibt aber auch gute Nachrichten. 16.283 Taferlklassler starten demnächst in einen neuen Lebensabschnitt. Damit erreicht man seit 2007 einen neuen Höchststand. Der Landesschulratspräsident betont aber, dass das nicht unmittelbar mit den Flüchtlingen zusammen hänge. "Wir haben in Niederösterreich auch starke Geburtsjahrgänge verzeichnet."

Fachkräfte gesucht

An den unverändert 990 Pflichtschulen in Niederösterreich ist die Zahl der Klassen von 6.141 auf 6.173 gestiegen, die Zahl der Schüler hat sich von 109.300 auf 111.120 erhöht. 400 Standorte im Bundesland bieten laut Schwarz ganztätige Schulformen an.

Wo Licht ist, gibt es aber auch Schatten: An den berufsbildenden Schulen wurde ein Rückgang an Schülern verzeichnet.

Hier hoffen die Verantwortlichen auf eine Trendumkehr. "Weil die Wirtschaft dringend Fachkräfte braucht", sagt Heuras.