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Chronik Niederösterreich
08/30/2019

Zu viele wollen in die AHS-Unterstufe

Niederösterreichs Bildungsdirektor will gegensteuern, um Überforderung der Schüler zu verhindern

von Matthias Hofer

Viel Licht, aber doch auch Schatten bringt das neue Schuljahr in Niederösterreich. Einerseits gibt es mit 17.629 Schulanfängern so viele Taferlklassler wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und die neue Einteilung des Landes in sechs Bildungsregionen soll die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Schulen deutlich verbessern. Allerdings könnte der nach wie vor ungebrochene Ansturm auf die Gymnasien die Nachhilfe-Situation im Bundesland erneut deutlich verschärfen.

„Für unsere 17.629 Taferlklassler ist dieser Tag ein besonders wichtiger Meilenstein am Weg ihrer Bildungslaufbahn und auch im Kindergarten startet ein neues Betreuungsjahr“, sagt die zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. „In Niederösterreich werden in rund 3.100 Gruppen mehr als 53.600 Kinder betreut, wovon etwa 52.300 Kinder einen der 1.060 Landeskindergärten besuchen.“

Run aufs Gymnasium

Doch zurück zur Schule. 64.539 Kinder werden heuer eine Volksschule besuchen, 39.708 eine Neue Mittelschule. In den allgemeinbildenden höheren Schulen wird es 38.031 Schüler geben, 6.164 von ihnen besuchen dabei die erste AHS-Klasse. Zum Vergleich: die erste Klasse einer Neuen Mittelschule werden 9.276 Schüler besuchen. Das heißt: 40 Prozent der Viertklässler entscheiden sich für eine AHS.

„Aus meiner Sicht ist dieser Wert eindeutig zu hoch.“, sagt Niederösterreichs Bildungsdirektor Johann Heuras. „Da müssen wir gegensteuern.“ Eine aktuelle Studie zeige, dass rund 15 bis 20 Prozent der Kinder eines Jahrgangs höher begabt seien. Für zahlreiche Schüler, die von ihren Eltern in einem Gymnasium angemeldet werden, könnte die Schulform demnach zu fordernd sein.

„Jedes Mal wenn ich mit dem Problem der hohen Nachhilfekosten konfrontiert werde, stelle ich die Frage, ob die Eltern ausreichend geprüft haben, ob ihr Kind in der richtigen Schule ist“, sagt Heuras. Er schlägt deshalb längere Eingangsverfahren über einen längeren Zeitraum mit entsprechenden Bildungsempfehlungen vor.

Der nun eingeschlagene Weg der Regionalisierung könne außerdem die Durchlässigkeit der einzelnen Schulen erhöhen, ist der Bildungsdirektor überzeugt. „Die sechs Bildungsregionen sind jeweils für alle Schularten zuständig. Damit stellen wir Vernetzung und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Das ist ein Paradigmenwechsel, von dem ich mir tatsächlich einen Mehrwert erwarte.“

Landesrätin Teschl-Hofmeister setzt auf die Stärkung der Neuen Mittelschulen. „Die Schwerpunktsetzung, die wir in den Mittelschulen verfolgen, kann dazu beitragen, ein Gymnasium gar nicht in Betracht zu ziehen.“

Lehrermangel

700 neue Pädagogen wird es mit Schulbeginn in Niederösterreich geben. Trotzdem gibt es – regional – erkennbaren Lehrermangel. So herrsche in den Bezirken Gänserndorf und Bruck ein Mangel an Deutsch- und Englischlehrern. Der Bedarf wird aktuell mit Lehrern aus höheren Schulen abgedeckt.

Deutschklassen

Der Bedarf an Deutschförderklassen geht zurück. Statt 50 wird es heuer nur noch 41 geben. „Mit der Deutschklassen-offensive stellen wir sicher, dass Kinder und Jugendliche, so rasch wie möglich, die Deutsche Sprache erlernen, um dem Unterricht folgen zu können“, so Teschl-Hofmeister. Sie betont, dass auch der beliebte Schwerpunkt Naturwissenschaft und Technik im neuen Schuljahr fortgesetzt und ausgebaut wird.