100 Menschen leben in dem Heim

© APA/BARBARA GINDL

kirchstetten
10/21/2016

Wurden Quälereien fotografiert?

Kripo untersucht Handys der Verdächtigen. Schirmherr Schönborn ist erschüttert.

von Johannes Weichhart

In den Ermittlungen um den möglichen Pflegeskandal in dem privat geführte Pflegeheim Clementinum in Kirchstetten in Niederösterreich sind neue, erschütternde Details bekannt geworden. KURIER-Informationen zufolge sollen die vier beschuldigten Pfleger ihre Taten mit ihren Handys dokumentiert haben. Anschließend sollen sie sich die Bilder über Whatsapp zugeschickt und dazu Unterhaltungen geführt haben. Und: Das Quälen und Erniedrigen der Bewohner soll sich über mehrere Monate erstreckt haben.

Bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten will man diese neuen Vorwürfe noch nicht bestätigen: "Wir stehen erst ganz am Anfang unserer Ermittlungen. Wir warten noch auf die Berichte der Polizei", sagt die Erste Staatsanwältin Michaela Obenaus.Unterdessen meldeten sich beim KURIER Leser, die selbst Angehörige in der Anstalt untergebracht haben: "In dem Heim herrscht ein rauer Umgangston. Zudem gibt es zu wenig Personal", berichtet eine Niederösterreicherin, die ihre betagte Mutter beinahe täglich in Kirchstetten besucht.

Heim-Sprecher Christian Zwittnig dementiert den Vorwurf des Betreuungsnotstandes: "Wir verfügen in unserem Heim in Kirchstetten über 114 Betten und 90 Mitarbeitern auf den Stationen. Das ist österreichweit gesehen ein guter Schlüssel."TotalversagenIn der Frage, ob in den rund 100 Einrichtungen in Niederösterreich ausreichend Pflegepersonal vorhanden ist, ortet Hellfried Blamauer vom nö. Gesundheits- und Krankenpflegeverband allerdings "zwei Wahrheiten": "Fragt man die Pfleger, dann werden die immer sagen, dass zu wenig Personal zur Verfügung gestellt wird. Der Rechtsträger aber, der die Pläne erstellt, wird anderer Meinung sein. Schließlich sind die budgetären Mittel begrenzt."

Im Fall des möglichen Quälens und Vernachlässigens von betagten Männer und Frauen im Pflegeheim Clementinum spricht Blamauer von einem "menschlichen Totalversagen von Personen, die in diesem Beruf nichts verloren haben".

Aufklärung

Am Donnerstag meldete sich auch Kardinal Christoph Schönborn in der Causa zu Wort. Dieser zeige sich laut Sprecher Michael Prüller "tief erschüttert" über die angeblichen Vorkommnisse in dem Heim. Der jeweilige Erzbischof von Wien sei laut Kathpress "aus historischen Gründen" Schirmherr der Trägerschaft der Einrichtung. Prüller betont aber, dass Schönborn keinerlei Einflussmöglichkeiten auf die operativen Tätigkeiten in den einzelnen Heime habe.

Ganz im Sinne des Kardinals habe die Leitung in Kirchstetten jedoch rasch gehandelt und eine lückenlose Aufklärung eingeleitet. Man müsse alles tun, "um solche Untaten von vornherein zu verhindern".

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