Chronik | Niederösterreich
06.09.2018

Wölfe: „Man sollte die Betroffenen nicht im Stich lassen!“

Kurier-Talk: Wolfsexperte Kurt Kotrschal im Gespräch mit Kurier-NÖ-Leiter Martin Gebhart

Kurt Kotrschal. Kaum eine Woche, in der es nicht Aufregung um Wölfe gibt. Meist sind es Landwirte im Waldviertel, die klagen, dass Wölfe einige ihrer Tiere gerissen haben. Der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal, der das Wolfs-Forschungszentrum in Ernstbrunn wissenschaftlich leitet, hält die Aufregung grundsätzlich für überzogen, wie er in der KURIER-Serie „Warum eigentlich?“ auf SchauTV erklärt. Dennoch ist ihm klar: „Man muss die Ängste ernst nehmen, auch wenn sie unbegründet sind.“

Derzeit würden in Österreich rund 20 Wölfe herumlaufen. Kotrschal: „Wir haben jetzt auch die Bestätigung eines zweiten Rudels. Wir haben den Verlust von einigen Schafen, was man durchaus vermeiden könnte, wenn man Herdenschutz betreibt. Und man tut im Land so, als würde die Welt untergehen, obwohl sich 70 Prozent der Österreicher freuen, dass der Wolf zurückkommt.“

Was er von der Politik fordert: Die Landwirte beim Herdenschutz finanziell mehr zu unterstützen: „Man sollte die Betroffenen nicht im Stich lassen.“ Er ist sich auch sicher, dass das einigen Dampf aus der Wolfsdebatte nehmen würde. Was ihm auch wichtig ist: In Deutschland würden seit Jahren rund 400 Wölfe gezählt. Ein Mensch sei aber in all der Zeit nie zu Schaden gekommen.

martin gebhart