Wo es den Wienern schmeckt

Gastrostudie: Gäste verlangen saubere Toiletten und freundliches Personal - gemütlich sind sie ja ohnehin selbst.

Treue Gäste sind die Wiener und Wienerinnen, wenn es um ihr Stammlokal geht. 60 Prozent haben nämlich ein solches und besuchen es auch regelmäßig. Am liebsten ist ihnen, wenn sie der Kellner oder die Kellnerin sogar per Namen kennt.

Das und viele andere Details über die kulinarischen Vorlieben in der Bundeshauptstadt sind in einer aktuellen Gastro-Studie der Wirtschaftskammer enthalten. Demnach gehen die meisten Wiener mindestens ein Mal pro Woche aus. Und sie lassen im Schnitt monatlich 129 € bei den Wirten - 57 für Getränke und 72 für gutes Essen.

Hausmannskost ist nicht mehr der große Renner in der Beliebtheitsskala: Restaurants mit italienisch-mediterraner Küche stehen an der Spitze (mit 65 Prozent) gefolgt vom guten, heimischen Restaurant oder Wirtshaus (63 Prozent) mit dem Flair des Wiener Schnitzels. Dann folgen Japaner, Chinesen und Exoten (57 Prozent) mit Sushi, Frühlingsrolle und Nasi Goreng. Die Studie hat Mehrfachnennungen zugelassen.

Durstlöscher Heuriger

Heurigenlokale werden des Essens wegen von 47 Prozent der Wiener Bevölkerung frequentiert, das Beisl ums Eck immerhin von 38 Prozent. Geht's dem Wiener ums Durstlöschen allein, so ist er vorwiegend beim Heurigen zu Gast (49 Prozent), besucht ein Bierlokal (48) oder geht ins Kaffeehaus (35). Konditoreien und Eissalons sind bei 35 Prozent beliebt, Bars und Lounges werden zu 34 Prozent frequentiert.

Wichtigste Voraussetzung für die Lokalbesucher: Saubere Toiletten und freundliches Personal. Der grantige Kellner ist out, gefragt sind persönliche Ansprache und natürlich auch, den Namen des Gastes zu kennen.

"Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ausgaben für Getränke leicht gesunken, was vermutlich auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist", bedauert der Wiener Gastronom Josef Bitzinger vom Augustinerkeller.

Am häufigsten gehen Männer und Teens aus: Hier gaben mehr als die Hälfte an, mindestens ein Mal pro Woche ein Lokal zu besuchen. Die 40- bis 49-Jährigen sind dagegen wahre Stubenhocker: Mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe geht höchstens einmal pro Monat aus.

Umsatzrückgänge verzeichnet die Gastronomie derzeit aber nicht nur wegen der Wirtschaftskrise. Auch das Antikorruptionsgesetz habe laut Bitzinger dazu beigetragen. Durch die verordneten 100 € Höchstausgaben bei Einladungen wären die Geschäfte der Nobelgastronomie zum Teil eingebrochen. Bitzinger fordert eine rasche Änderung des Gesetzes und die Anhebung des Einladungsbetrages.

Thema Nichtraucherschutz: Mehr als die Hälfte will, dass die Gastronomie selbst entscheiden kann, fast die Hälfte lehnt ein generelles Rauchverbot ab. Zwei Drittel meinen, dass Rauchen Teil der Kaffeehauskultur sei.

Ausgehen: Keine Stubenhocker

Altersgruppe 14 bis 19
39 % gehen ein Mal pro Woche aus, 28 % sogar mehrmals.

Altersgruppe 20 bis 29

Mehrmals pro Woche 31 %, ein Mal pro Woche 22 %.

Altersgruppe 30 bis 49

Mehrmals pro Woche 14 bis 16 %, ein Mal pro Woche 21 %. Man ist beruflich oder familiär mit Kindern zu sehr gebunden.

Altersgruppe 50 bis 65

Der Schnitt beim Lokalbesuch pro Woche steigt auf 38 % an.

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(kurier) Erstellt am
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