© Trimmel Sascha

Chronik Niederösterreich
05/22/2020

Wo die wilden Rinder aus dem Wienerwald weiden

Am Biohof Edibichl im Triestingtal werden Bisons gezüchtet. Ein verstoßenes Kalb wurde mit der Hand aufgezogen.

Sie grasen ruhig auf den weiten Wiesen, ihre mächtigen Umrisse zeichnen sich gegen den Himmel ab – doch sie sind nicht in den weiten Prärien Nordamerikas, sondern im Triestingtal (NÖ) zu Hause. Die Bisons vom Biohof Edibichl in Thenneberg/Altenmarkt sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich.

Vor 15 Jahren begann die Bisonzucht am Hof von Familie Kocher – und damit der erfolgreiche Einstieg in einen absoluten Nischenmarkt. Österreichweit gibt es nur etwa zehn Bison-Züchter.

Bei Familie Kocher weiden heute etwa 30 der exotischen Wildrinder auf 13 Hektar Wiese. Von April bis Juni ist die Hauptsaison für den Nachwuchs. „Heuer haben wir schon ein Kalb bekommen, sieben bis acht erwarten wir noch“, erzählen Lukas Kocher und Veronika Grimmer.

Seltenes Phänomen

Wie viele es tatsächlich werden, könne man aber nie so genau sagen. „Man sieht Bisons nicht sofort an, ob sie trächtig sind“, schildern die beiden.

Bisonkühe bekommen normalerweise ein Kalb. Zwillingsgeburten sind extrem selten – und dennoch für die Kochers nichts Neues. Innerhalb der vergangenen sechs Jahre hat es am Hof bereits zwei solcher Ereignisse gegeben. Obwohl Bisons kaum auf den Menschen angewiesen sind, muss in so einem Fall eingegriffen werden.

Aufgrund der geringen Milchproduktion nehmen die Bison-Kühe meist nur ein Kalb an, das zweite wird verstoßen. Um es vor dem sicheren Tod zu retten, muss es von der Herde getrennt werden. „Wir haben das Kalb mit der Hand aufgezogen, jetzt lebt es bei unseren Rindern mit“, erzählt Lukas Kocher über das verstoßene Zwillingskalb, das mittlerweile bereits ein Jahr alt ist.

Bestes Fleisch der Welt

Bisons gelten erst nach sechs bis acht Jahren als gänzlich ausgewachsen. Im Vergleich zum Hausrind zeichnet sie ein langsames Wachstum aus. Deshalb werden die Wildrinder auch erst ab drei Jahren – stressfrei per Weideschuss – geschlachtet.

Aufgrund der späten Schlachtreife werden die Preise für Bisonfleisch relativ hoch bemessen. Es gilt allerdings auch als das gesündeste Fleisch der Welt. „Es hat kaum Fett, einen hohen Eisengehalt und ein besonders leicht verdauliches Eiweiß“, lassen die Kochers wissen.

Frischfleisch und Wurstwaren verkaufen sie im Hofladen oder über den Online-Shop. „Wir liefern auch bis nach Wien, aber nur an Endverbraucher“, erklärt Lukas Kocher.

Seine Liebe gilt nicht nur den Bisons, sondern auch all den anderen Tieren am Hof – darunter der jüngste Welpennachwuchs, der den Bisons beinahe die Show stiehlt.

Von Victoria Schmidt