Witzigmanns Welt: Melone

Von Fußballern, Parfums und Melonenfeldern, Dessert-Klassikern und Enkelkindern.

Der portugiesische Fußballtrainer José Mourinho sagte einst: "Junge Spieler sind ein bisschen wie Melonen. Nur wenn du sie öffnest und probierst, bist du dir 100 Prozent sicher, ob die Melone gut ist." So mancher Profikicker wird sich bei diesem schrägen Vergleich gedacht haben: "Der hat wohl einen Sprung in der Marille." Aber so unrecht hat der Mann nicht. Denn nur weil eine Melone gut riecht, heißt es noch lange nicht, dass sie gut schmeckt. Die perfekte Melone klingt hohl, ist schwer und verströmt ein unwiderstehliches Aroma. Ich bezeichne den Duft von Melonen als "parfum des vacances" (= Parfüm der Ferien), weil ich mich dadurch immer an meine Urlaube in der Provence mit meinem kulinarischen Bruder Henry Lévy erinnert fühle. Der Geruch über den Melonenfeldern bei Vaucluse-Luberon ist so betörend, dass er eigentlich unters Betäubungsmittelgesetz fallen müsste.

Als Melone bezeichnet man vor allem in subtropischen Gebieten kultivierte Gewächse mit großen, saftreichen Beeren-Früchten. Sie gehören zur Familie der Kürbisgewächse. Es wird hauptsächlich zwischen Zuckermelonen und Wassermelonen unterschieden. Weil die Zuckermelonen enger mit den Gurken verwandt sind als mit den Wassermelonen, wurden sie früher sauer als Salat angemacht. Erst im 17. Jahrhundert haben Mönche in Cantalupo bei Rom, der Sommerresidenz des Papstes, die Melone so kultiviert, wie wir sie heute lieben. Die "Cantaloupe-Melone" zählt seitdem neben den französischen Charentais-Melonen zu den populärsten Sorten.

Neulich fiel mir ein wunderschönes Rezept für eine Cantaloupe-Melone mit Pineaut-Creme in die Hände, das 1983 ein ehemaliger Schüler von mir kreiert hat. Sein Name: Johann Lafer. Ebenfalls ein genialer Aubergine-Patissier war Stefan Franz. Ihm habe ich meinen Dessert-Klassiker vom Melonen-Cassata mit Passionsfrucht-Torte zu verdanken. Am liebsten allerdings mag ich immer noch eine kalte Tranche von der Cantaloupe-Melone, umwickelt mit einem feinst geschnittenen Blatt Parmaschinken.

Aufgrund ihres hohen Wassergehalts ist eine gut gekühlte Melone an heißen Sommertagen der ideale Durstlöscher. Außerdem gibt sie uns viele Mineralien, die dem Körper beim Schwitzen entzogen werden. Meine Enkel Loisi, Leni und Marietta fädeln übrigens gerne Wassermelonenkerne auf einer Schnur auf und haben somit ein schönes Collier.

Aus: FREIZEIT-Kurier vom 8.8.
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolummne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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Erstellt am 05.12.2011