„Wir stärken das Wir-Gefühl“

Fast alle 400 Bürgerhelfen finanziell mit, den letzten Nahversorger zu retten. Am Donnerstag wird das Geschäft neu eröffnet.

Die Bohrmaschinen rattern. Während die Arbeiter noch die letzten Kabel verlegen und die Geräte mit Strom versorgen, flitzen fast zehn freiwillige Helfer mit Putzlappen und Wasserkübeln durch das Geschäft und reinigen die neu montierten Regale. Jeder strahlt Euphorie und Begeisterung aus. Es herrscht Aufbruchstimmung. Kein Wunder. Es geht um die Rettung des letzten Nahversorgers in Bärnkopf, Bezirk Zwettl. Die Zeit drängt. Schon in zwei Tagen wird die umgebaute und neue Greißlerei mit dem Namen „Unser G’schäft für Bärnkopf“ wiedereröffnet.

Der Titel ist bewusst gewählt: „Wir wollen das Wir-Gefühl stärken und ein wichtiges Einkaufs- und Kommunikationszentrum im Ort gemeinsam retten“, sagen die beiden Initiatoren Otto Hofer und Arnold Bauernfried.

Nachdem sich kein Pächter fand, der das mit Jahresende zugesperrte Kaufhaus Hahn übernehmen will, hatten die Bewohner nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie nehmen in Kauf, dass ihr nächstes Geschäft fast 20 Kilometer entfernt liegen wird, oder es gelingt ihnen eine Lösung auf freiwilliger Basis.

Fäden

„Wir haben einen Verein gegründet, der das Geschäft weiterführt und in Absprache mit einem Großhändler die wirtschaftlichen Fäden zieht“, sagt Vizebürgermeister Bauernfried. Beinahe jeder der 400 Bürger sei ein Teil des Projektes: „Fast alle Bewohner waren – ohne zu zögern – bereit, Bausteine zu je 100 Euro zu kaufen, um ein zinsenloses Startkapitel zur Verfügung zu stellen“, freut sich Hofer. Rund 30.000 Euro sind im Finanztopf gelandet, der ausreicht, um das Sortiment für die Erstbefüllung des Ladens vorzufinanzieren. Die Kosten für den Umbau des Geschäfts in der Höhe von 55.000 Euro übernimmt die Gemeinde gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Ortskerne (NAFES). „Wir freuen uns, dass viele Leute freiwillig mithelfen wollen“, sind die Verkäuferinnen Ilse und Eva Bauernfried sowie Renate Hofer begeistert. Sie sind überzeugt, dass die neu aufgeflammte Ortsgemeinschaft gleichzeitig den Erfolg des Geschäfts garantieren wird. „Wer geht denn woanders einkaufen, wenn er sein eigenes Geld in das Projekt gesteckt hat“, sagen sie. Als Partner steht der Lebensmittelgroßhändler Kastner aus Zwettl beratend zur Seite.

(kurier) Erstellt am
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