Mordprozess gegen Winzer: Nun sind die Zeugen am Wort
Der Prozess findet am Landesgericht St. Pölten statt.
Im Mordprozess gegen einen steirischen Winzer sind am Freitag am Landesgericht St. Pölten erstmals Zeugen gehört worden. Im Zentrum steht die Frage: Mord oder zulässige Sterbehilfe?
Dem 58-Jährigen wird vorgeworfen, einer 71-jährigen Witwe im März 2025 eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital verabreicht zu haben. Laut Staatsanwaltschaft soll er das Medikament als harmloses Mittel ausgegeben haben. Die Frau habe es ohne Wissen um die tödliche Wirkung eingenommen und keinen Sterbewillen gehabt. Der Angeklagte bestreitet das und spricht von einem assistierten Suizid auf ausdrücklichen Wunsch der Frau.
„Ich hatte Angst“
Ein zentraler Zeuge ist ein Pfleger, dessen Audio- und Videoaufnahmen den Beschuldigten belasten. Der 49-Jährige gab an, bereits am Tattag Verdacht geschöpft zu haben. Er habe ein Foto des Medikaments an die Tochter der Frau geschickt und erfahren, dass es sich um „Gift“ handle. „Ich habe Angst gehabt, was kommt, heute Abend“, sagte der Mann vor Gericht.
Konkrete Wahrnehmungen in der Nacht machte er jedoch nicht. Die Aufnahmen habe er aus Neugier gemacht, um Gespräche später übersetzen zu lassen, erklärte der Pfleger, der nur wenig Deutsch spricht.
Neben der Todesursache spielen auch finanzielle Motive eine Rolle. Laut Anklage soll der verschuldete Winzer aus Habgier gehandelt haben. Die 71-Jährige hatte ihn als Alleinerben eingesetzt und ihm bereits Vermögen übertragen. Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück.
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