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Chronik Niederösterreich
09/10/2020

Windenergie im Waldviertel: Kampf aus Sorge um die Vögel

Bürgerinitiative boykottiert Windpark wegen Störchen. Betreiber weist Vorwurf zurück.

von Teresa Sturm

Es ist ein Projekt, das schon vor vielen Jahren offiziell genehmigt worden ist. Im kommenden Jahr soll es endlich umgesetzt werden. Obwohl schon lange klar war, dass es kommen wird, hat die Kritik daran nicht nachgelassen. Es geht um den Windpark Grafenschlag im Bezirk Zwettl, den der Betreiber W.E.B dort plant. Widerstand kommt nach wie vor von Bürgerinitiativen.

Günther Maier, Sprecher der Bürgerinitiative „Unsere Heimat“ und auch Mitglied der IG Waldviertel, nennt unterschiedliche Gründe, warum in Grafenschlag keine Windräder gebaut werden sollen. Landschafts-, und Umweltschutz, aber auch der Schutz bedrohter Vögel in der Region sind einige davon.

Wichtig ist für ihn, zu betonen, dass er als Kritiker nicht grundsätzlich gegen Windkraft ist. Dass es erneuerbare Energie brauche, sei klar, „aber nur, weil dort kein schützenswertes Gebiet ist, heißt das ja nicht, dass dort kein schützenswerter Vogel brüten darf.“

Vogelbeobachtung

Er mache als Teichbesitzer und Jagdpächter seit Jahren Aufzeichnungen in dem Gebiet zum Vorkommen von Schwarzstörchen, Seeadlern, Waldschnepfen oder dem Haselhuhn. „Daher sehe ich, welche Vögel dort sind“, sagt Maier. Dort wo der Windpark entstehen soll, würde er immer wieder Schwarzstörche sehen: „Und es gibt Horste in unmittelbarer Nähe.“ Wo sich diese genau befinden möchte Maier jedoch nicht sagen, weil er befürchtet, dass dann dort abgeholzt werde.

„Es ist jetzt alles Nötige zu unternehmen, damit diese seltenen Tiere bei uns weiter Schutz finden. Um das zu unterstützen, wollen wir jetzt im Waldviertel die ersten offiziellen Seeadler- und Schwarzstorchgemeinden etablieren“, sagt auch Michael Moser von der Initiative IG Waldviertel. Die geschützten Vögel würden zudem in den bisherigen Gutachten kaum Beachtung finden. Das bestätigt zwar auch die Vogelschutzorganisation „Birdlife Österreich“, Vogelexperte Johannes Hohenegger räumt aber ein, dass die Datenlage teilweise sehr dünn sei. „Bei relativ großen Arten wie dem Adler wird eher etwas gemeldet. Bei kleineren Vogelarten ist dazu wenig vorhanden.“

Datenlage

Sogenannte Schlagopfer (Vögel, die durch Kollisionen mit Windkraftanlagen sterben, Anm.) würden in einer Datenbank erfasst werden. Das sei für große Arten aber wenig aussagekräftig. Seit Herbst 2018 seien durch Windräder zehn Seeadler nachweislich verunglückt, sagt Hohenegger.

W.E.B.-Sprecherin Beate Zöchmeister sagt im Gespräch mit dem KURIER, dass das Projekt schon im Jahr 2016 genehmigt worden sei. Damals sei festgestellt worden, dass der Schwarzstorch im Projektgebiet nicht brütet. „Was den Vorwurf betrifft, dass er jetzt aber schon brütet, habe ich mich wieder mit Experten in Verbindung gesetzt. Wir haben uns das erneut angeschaut und das selber noch einmal prüfen lassen“, so Zöchmeister. „Es brütet auch jetzt kein Schwarzstorch im Projektgebiet.“

Windkraftkritiker Maier ist das aber nicht genug: „Auch wenn der Storch nur Fraßgast ist, quert er unter Umständen die entstehenden Windräder.“ Er kündigt an, auf keinen Fall aufzugeben: „Wir schöpfen alle legalen Mittel aus, damit der Bau verhindert wird.“

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