Chronik | Niederösterreich
10.09.2018

Wienerwald: Schnur über Reitweg gespannt

Reiterinnen sahen Falle gerade noch rechtzeitig. Die Polizei ermittelt. Zweiter Vorfall in wenigen Monaten.

„Das ist lebensgefährlich.“ Jutta Thuri kann es immer noch nicht fassen. Sonntagnachmittag entdeckten ihre Tochter sowie eine zweite Reiterin im Wienerwald im Bezirk Mödling eine quer über einen Reitweg gespannte Schnur. Es ist der zweite derartige Vorfall innerhalb weniger Monate. Erst Ende Mai ist Thuri mit ihrem italienischen Traberhengst „Floss“ bei Gaaden selbst Opfer einer solchen „Reiterfalle“ geworden. Sie wurde von der auf Kopfhöhe des Reiters angebrachten Schnur fast stranguliert, erlitt schwere Abschürfungen und ein Peitschenschlag-Trauma. Diesmal bemerkte ihre Tochter das Seil jedoch rechtzeitig.

Die beiden jungen Frauen waren auf dem fürs Reiten freigegebenen Forstweg zwischen Sittendorf und Füllenberg unterwegs. „Meine Tochter hat die Schnur nur gesehen, weil sie in der Sonne geglitzert hat“, berichtet Thuri. „So etwas geht einfach nicht“, sagt die 50-jährige Hundetrainerin und Staffelhundeführerin der Rettungshundebrigade. Sie schüttelt den Kopf. „Ich hab damals wahnsinniges Glück gehabt. Ich bin nicht vom Pferd gefallen. Aber hier sind auch viele Kindergruppen unterwegs oder auch ungeübte Reiter.“

Wachsamkeit

Die Reiterinnen machten Fotos von der Falle und schnitten das Seil ab. Dann erstatteten sie Anzeige bei der Polizei. Dort bittet man die Reiter nun um erhöhte Wachsamkeit. Wahrnehmungen sollen gemeldet werden, sagt Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner. Ermittlungen im ersten Fall hätten noch kein Ergebnis gebracht. Die Vorfälle sind nur die jüngsten, bei denen es Unbekannte im Wienerwald auf Freizeitsportler abgesehen haben. Anfang des Jahres sorgten Baumstämme auf einer Radroute am Anninger für Aufsehen, schließlich verfing sich ein platzierter Draht in den Speichen eines Bikers (siehe rechts).Zu den Tätern oder dem Motiv will man bei der Polizei nichts sagen. Alle Möglichkeiten werden miteinbezogen. Dass zwei Mal Mitglieder derselben Familie betroffen waren, dürfte Zufall sein, heißt es.

Jutta Thuri jedenfalls übt Kritik an der Forstverwaltung des Stifts Heiligenkreuz, die sich nicht zuständig fühlen würde. Dabei zahle man als Reiter für die Benützung der Forstwege.

Das weist Betriebsleiter Pater Coelestin Nebel zurück. „Es ist skandalös, was da passiert ist“, sagt er. „Wir tun unser Möglichstes.“ So habe man das Thema mit der Polizei besprochen, die Förster seien angewiesen, die Augen offen zu halten. „Wir wollen natürlich, dass man sich angstfrei bewegen kann.“ Allerdings verwalte das Stift 5000 Hektar Land, es gebe aber nur zwei Förster. Man könne nicht das ganze Gebiet überwachen. „Das ist leider das Selbstrisiko der Reiter.“