Chronik | Niederösterreich
09.02.2017

Wiener Neustadt: So sieht ein „Studentenleben" für Pensionisten aus

Das Wiener Neustädter „Traude Dierdorf- Stadtheim" hat einen neuen Träger und stellt seine Zukunftspläne vor.

Was anfangs schleppend über die Bühne ging ist nun endgültig unter Dach und Fach gebracht. Das Wiener Neustädter „Traude Dierdorf-Stadtheim" hat einen neuen Träger. Denn die harten Verhandlungen, die mitunter knapp in einen Abbruch mit dem „Haus der Barmherzigkeit" gekipfelt hätten, haben sich nun nach Bürgermeister Klaus Schneeberger in Wohlgefallen und in die richtige Richtung entwickelt. Das betonte der ÖVP-Bürgermeister bei der gestrigen Pressekonferenz wiederholt. Bereits im Dezember des Vorjahres, nach 51 Jahren wurde das Heim von der Stadtregierung an das „Haus der Barmherzigkeit" verkauft. Die Finanzierung eines Neubau der Stadt wäre laut dem Bürgermeister nicht zu stemmen gewesen. Nun gab man die neuen Pläne für die Zukunft bekannt.

Aus alt mach neu

Im kommenden Herbst soll mit dem ersten Teilabbruch des derzeit bestehenden Gebäudes sowie der Vorbereitung des Bauplatzes begonnen werden. „Die Sanierung muss in mehreren Teilen erfolgen, damit die Bewohner auch während des Umbaus in der Einrichtung wohnhaft bleiben können", erklärt Geschäftsführer des „Hauses der Barmherzigkeit", Florian Pressl. Warum aber der Umbau? „Ein Neubau ist insofern von Nöten, als das es in den letzten Jahren eine Bewohnerveränderung gegeben hat", erklärt Pressl und fügt hinzu: „Stichwort ist hier sicherlich der Rollstuhl. Der Neubau wird komplett barrierefrei sein. Zudem werden die allgemeine Sicherheit und der Brandschutz noch mehr im Fokus stehen."

Das neue Heim

Im Sommer 2021 soll das Pflegeheim dann komplett saniert sein. Mit der Neugestaltung des Gesamtareals wurde das Wiener Architektenbüro "querkraft architekten" beauftragt. Im neuen Areal finden neun Wohngruppen Platz. „Wir wählen hier bewusst Kleingruppen. Man könnte es fast wie ein Studentenleben für Pensionisten beschreiben", scherzt Pressl und fügt hinzu: „Wir betreiben derartige Einrichtungen bereits und erhalten gute Rezensionen." Neben neuem Design und neuer Aufteilung will man einen Treffpunkt generieren um so ein „lebenswertes Umfeld zu schaffen", erklärt Pressl. Dazu gehört auch eine Gartenfläche, eine Cafeteria sowie eine eigene Kapelle. Das Investitionsvolumen für die ersten beiden der vier Bauphasen beträgt 20 Millionen Euro.

Generationen profitieren

Zu den Ergänzungen soll es auch einen Kindergarten mit vier Gruppen geben. „Wir sind davon überzeugt, dass beide Generationen davon profitieren werden", ist sich Pressl sicher. Zustimmung erhält er dabei von Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz: „Ältere Menschen wollen Anteil am Geschehen haben. Ich bin froh, dass das Land hier beschlossen hat zu fördern." Tatsächlich erhielt der Bau vom Land eine Förderung von rund 8 Millionen Euro über mehrere Jahre. Zudem kommt eine Betriebsförderung des Landes Niederösterreich für 128 Betten für die Langzeitpflege und 16 Betten für ein Übergangspflegezentrum hinzu.

Nicht alle dafür

Auf Unverständnis stieß die Privatisierung bereits im Dezember. Damals sammelte Ex-SPÖ-Vizebürgermeister Peter Geyer 3.117 Unterschriften gegen die Privatisierung des Stadtheims. Nun kam von ÖVP-Bürgermeister Schneeberger eine Ermahnung: „Für parteipolitische Ansichten im Bereich der Altenpflege gibt es keinen Platz. Hier darf nur ernsthafte Kritik abgegeben werden. Ich höre immer in der Stadt wird so viel investiert, warum also nicht hier? Wir haben nun mal keine Möglichkeit das Stadtheim neu zu bauen."