Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Wie neue Bedrohungen das Heer in Wiener Neustadt verändern

Cyberangriffe und Drohnen verändern das Berufsbild des Soldaten. Ein Militärakademie-Leiter erklärt, welche Fähigkeiten künftig entscheidend sind.
Offiziere

Die Welt verändert sich rasant – und mit ihr das Bundesheer. Der Krieg in der Ukraine, neue Bedrohungen durch Drohnen und der milliardenschwere Ausbau des Heeres stellen auch die Theresianische Militärakademie (MilAk) in Wiener Neustadt vor große Herausforderungen.

Ihr Kommandant, Generalmajor Philipp Ségur-Cabanac, spricht in der Interviewreihe „Sicher Niederösterreich“, die das Bundesheer in Kooperation mit dem KURIER veranstaltet, über seine Karriere beim Heer und den Wandel der Offiziersausbildung.

46-227305449

Härtinger und Ségur-Cabanac (re.) zu Gast im Studio.

Der Name Ségur-Cabanac ist ein klingender in der Armee. Sein Großvater habe bereits in den Anfängen des Bundesheeres an der Militärakademie unterrichtet, Vater und Onkel seien ebenfalls Berufsoffiziere gewesen, erzählt der MilAk-Chef. „Wir haben die Werte eines Offiziers mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt er.

Der heute 51-Jährige hat ebenfalls beim Heer Karriere gemacht. Ségur-Cabanac absolvierte unter anderem die härteste Ausbildung, die das Bundesheer zu bieten hat: den Jagdkommando-Grundkurs. Mehrere Jahre lang kommandierte er schließlich selbst die Spezialeinheit.

Ich freue mich, dass ich die Militärakademie heuer in einer Zeit übernehmen durfte, in der wir wieder einen deutlichen Anstieg an Offiziersanwärtern verzeichnen konnten.

von Philipp Ségur-Cabanac

Generalmajor

Heute leitet der Generalmajor die Geschicke der Militärakademie. „Ich freue mich, dass ich die Militärakademie heuer in einer Zeit übernehmen durfte, in der wir wieder einen deutlichen Anstieg an Offiziersanwärtern verzeichnen konnten.“

Lebenslanges Lernen und Eigeninitiative gefragt

Gleichzeitig müsse die Ausbildung an neue Technologien angepasst werden – von der Cyberverteidigung bis zur weitreichenden Fliegerabwehr. Für Ségur-Cabanac endet Ausbildung jedoch nie. Moderne Konflikte würden sich ständig verändern, weshalb Offiziere permanent dazulernen müssten. „Lebenslanges Lernen begleitet Berufssoldaten durch ihre gesamte militärische Laufbahn.“

Neben verpflichtenden Kursen sei auch Eigeninitiative gefragt. Offiziere müssten sich laufend mit internationalen Entwicklungen beschäftigen, um neue Bedrohungen richtig einschätzen zu können.

Was Ségur-Cabanac, aber auch NÖ-Militärkommandant Georg Härtinger umtreibt, ist die Verteidigungsbereitschaft der Bevölkerung. „Wir haben auf der einen Seite ein sehr hohes Vertrauen der Bevölkerung in das, was wir tun. Auf der anderen Seite aber eine doch relativ geringe Wehrbereitschaft. Ungefähr nur 30 bis 32 Prozent wären bereit, Österreich mit einer Waffe zu verteidigen“, berichtet Härtinger.

Deshalb sehen die Offiziere auch Handlungsbedarf an den Schulen bzw. im Bereich der Fortbildung. Besonders auf die jungen Menschen müsse offensiv zugegangen werden.

Kommentare