Traisen

© Bernert Martin

Niederösterreich
07/01/2013

Renaturierung: Die Traisen wird wieder ein Fluss

Mit einem der größten Flussbau-Projekte Europas wird der vor Jahrzehnten begradigte Fluss an die Natur zurückgegeben.

von Martin Bernert

Fast schnurgerade plätschert einer der größten Flüsse Niederösterreichs von St. Pölten Richtung Donau. Die Traisen wurde in den 1980ern im Zuge der Errichtung des Donaukraftwerks Altenwörth begradigt und erhielt ein neues Bett. Die Mündung wurde um sieben Kilometer verlegt; seither fließt die Traisen flussabwärts vom Kraftwerk in die Donau.

Dem damaligen Standard des Flussbaus entsprechend, erhielt die Traisen ein schnurgerades Bett und erinnert seither eher an einen künstlich geschaffenen Kanal als an einen Flusslauf. „Bei St. Pölten ist der Fluss eine Leiche“, bringt es Boku-Professor Matthias Jungwirth auf den Punkt.

Das hat sich auch in internationalen Untersuchungen niedergeschlagen: Der WWF ließ vor zwei Jahren 15 Flüsse in Österreich, Deutschland und der Schweiz untersuchen – die Traisen erhielt die schlechteste Bewertung und gilt (nicht erst seither) als einer der am stärksten regulierten Flüsse Europas.

Mäander

Das soll sich jetzt ändern: Am Montag fiel der symbolische Startschuss für die groß angelegte Renaturierung des Flusses: In den kommenden fünf Jahren erhält die Traisen einen Unterlauf mit Mäandern und Überschwemmungsflächen. Mit menschlicher Hilfe bekommt die Natur die Möglichkeit, den Unterlauf des Flusses und die dazugehörige Au zurückzuerobern.

Auf zwölf Kilometern Länge wird die Traisen vom kanalartigen Gerinne zum naturnahen Fluss rückgebaut und dabei um sieben Kilometer verlängert. Seit zehn Jahren wird geplant; 2008 wurde das Projekt bei der EU eingereicht – mit Erfolg: Die Union fördert die Traisen-Renaturierung im Rahmen des „Life+“-Programms.

26 Millionen Euro

26 Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren investiert; davon kommen rund 16 Millionen vom Verbund-Konzern, der das Projekt auch koordiniert. Hydrobiologe Jungwirth weiß das zu schätzen: „Der Verbund ist eher für Kraftwerke als für Renaturierungen bekannt und daher kein typischer Partner für solche Projekte.“

Michael Amerer, Vorstand der Verbund-Wasserkraft-Tochter Hydro Power hält dem entgegen, dass der Konzern bereits viele Millionen in vergleichbare Projekte gesteckt hat und das auch weiter tun wird: „Aber es stimmt schon, 26 Millionen Euro nicht in ein Kraftwerk zu investieren, war für uns schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig.“

„Zurück zur Natur“ in Österreich

Abgesehen von der Traisen in NÖ wurden auch zahlreiche andere Flüsse in Österreich zumindest streckenweise renaturiert. Etwa die Traun in Oberösterreich, der Inn in Tirol oder die Mur in der Steiermark. Die Donau östlich von Wien wurde in den vergangenen 15 Jahren revitalisiert; die Renaturalisierung der Drau in Kärnten wurde 2012 als bestes Life-Projekt ausgezeichnet.

„Life“ ist ein Programm der EU, das verschiedene Partner (Länder, Bund, oder etwa Organisationen wie den WWF) bei der Finanzierung von Umweltprojekten in Natura-2000-Gebiet unterstützt.

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