Weltrekord: Marathon mit dem Zeichenstift

Ronald Heberling, 58, beim Zeichnen © Bild: KURIER/Jürgen Zahrl

Weinviertler zeichnete 644 Karikaturen in 61 Stunden und 55 Minuten.

Ronald Heberling, alias "Hero", ist Gebäudesanierer, Cartoonist, Kunstmaler, Aktionskünstler, Provokateur – und seit wenigen Tagen sogar Weltrekordhalter. Der gebürtige Kanadier aus Zistersdorf im Bezirk Gänserndorf (NÖ) machte schier Unmögliches möglich. 61 Stunden und 55 Minuten lang zeichnete er ununterbrochen 644 Karikaturen – offiziell heißt sein "Guinness World Record": "Längster Marathon im Zeichnen von Karikaturporträts" (The longest marathon drawing caricatures – individuell).

Dass sein Rekordversuch im Nachhinein ins Wanken geriet und jetzt – erst drei Jahre später – den Eintrag in das begehrte Ranking schaffte, liegt daran, dass "Unschärfen" in den Protokollen, Listen und Kameraaufzeichnungen in monatelanger Kleinarbeit gefunden und beseitigt werden mussten. "Als ich vor ein paar Tagen das eMail mit der Bestätigung bekam, habe ich mich saumäßig gefreut", sagt Heberling.

Was allerdings noch untertrieben klingt. Der 58-Jährige gibt zu, völlig aus dem Häuschen gewesen zu sein. "Ich musste eine Nacht darüber schlafen. Vielleicht wäre ja das eMail am nächsten Tag wieder weg, fürchtete ich. Aber als ich in der Früh meinen Account öffnete, war die Nachricht von Guinness World Records noch immer da", sagt er und strahlt.

Eine Doktorarbeit zu schreiben ist aus seiner Sicht nicht viel schwerer, als einen Weltrekord aufzustellen und zu protokollieren. "Die Anforderungen sind streng. Schon bei der Vorbereitung wären wir fast gescheitert, weil es irrsinnig schwierig war, so viele Leute für das Vorhaben zu motivieren", sagt er. Immerhin waren 27 Assistenten, 43 offizielle Zeugen, Hunderte Menschen als Karikaturvorlagen und acht Kameras notwendig, um seine Meisterleistung zu beglaubigen. "Zum Glück hatten wir einen riesigen Datenberg, sonst wäre es schon vorbei gewesen, weil die Assistenten 638 Zeichnungen zählten, aber 645 gestapelt waren. Offiziell wurden dann 644 bestätigt", erklärt Heberling.

Starke Bestmarke

Damit sein Weltrekord eine hohe Hürde bleibt, hat er die bisherige Bestmarke von 50 Stunden gleich um knapp zwölf Stunden überboten.

"Am Schluss war ich dem Kollaps sehr nahe", sagt er. Seine größte Herausforderung war, drei Nächte durchzumachen. "Als ich kurz bei den Dreharbeiten zum Film ,Mission Impossible 5’ mit Tom Cruise in der Wiener Staatsoper einer der Statisten war, hatte ich erstmals eine Nacht lang wachbleiben müssen. Ich habe gemerkt, dass ich es schaffen kann", erzählt er. Auf dem Weg zur Bestmarke waren jedenfalls keine Drogen im Spiel, wie er scherzhaft versichert: "Viele Leute haben mich gefragt, was ich eingeworfen habe, um den Rekord durchzustehen: Geholfen hat, dass ich wenig gegessen und stattdessen viel Wasser ohne Kohlensäure getrunken habe", sagt Heberling, der nicht selten mit schrägen Kunst-Aktionen provozieren will.

Deshalb ist er auch beim Verfassungsschutz kein Unbekannter. Da er im Vorfeld der Bundespräsidenten-Wiederholungswahl ein rotes Herz mit Rohrbomben bastelte und es in einem YouTube-Video vor der Hofburg präsentierte, war die Polizei alarmiert: "Schnell war aber klar, dass mein Werk keine Bedrohung darstellt", sagt Heberling und schmunzelt. Sein nächstes Ziel ist eine Ausstellung mit den 644 Cartoons im Karikaturmuseum in Krems.

( kurier.at ) Erstellt am 17.07.2017