Tierheim alarmiert: Rätsel um ausgesetzte Sittiche in St. Pölten
„Chipsi“ wurde im Tierheim wieder aufgepäppelt.
In St. Pölten sorgt eine ungewöhnliche Häufung für Gesprächsstoff: Innerhalb weniger Wochen wurden sechs freifliegende Wellen- und Nymphensittiche aufgegriffen. Einige Tiere wurden bereits tot entdeckt, andere völlig entkräftet ins Tierheim gebracht.
Beim Tierschutzverein schlägt man nun Alarm. Die Vögel seien oft krank, verletzt und stark geschwächt, heißt es. Trotz intensiver medizinischer Versorgung hat eines der Tiere nicht überlebt. Die übrigen werden derzeit aufgepäppelt.
Was die Tierschützer besonders beunruhigt: Für keinen der Vögel hat sich bislang ein Besitzer gemeldet. „Es wirkt fast so, als würde jemand nach und nach seinen Bestand loswerden“, sagt Tierheimleiterin Victoria Bischof.
„Schlechter Zustand“
Für exotische Ziervögel wie Sittiche ist ein Leben in freier Natur in Österreich kaum möglich. Sie finden nicht die richtige Nahrung, sind anfällig für Krankheiten und fallen Fressfeinden wie Mardern oder Greifvögeln schnell zum Opfer.
„Wenn wir die Tiere überhaupt lebend finden, sind sie meist schon in einem sehr schlechten Zustand“, erklärt Vereinsobmann Thomas Kainz. Viele würden es gar nicht erst bis ins Tierheim schaffen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Das Aussetzen von Haustieren sei nicht nur verantwortungslos, sondern auch gesetzlich verboten. Für die Tiere kommt es in den meisten Fällen einem Todesurteil gleich. Es sei heute besonders einfach, an exotische Vögel zu kommen – über das Internet oder den Handel. Die langfristigen Anforderungen würden dabei oft unterschätzt.
„Sittiche sind keine Dekoration. Sie sind laut, machen Arbeit und verursachen laufende Kosten“, sagt Bischof.
Der Verein bittet angesichts der steigenden Zahl an Fällen auch um finanzielle Unterstützung. Die Behandlung der geschwächten Vögel sei aufwendig und teuer, die Pflege dauere oft Wochen. Informationen: www.tsvstp.at.
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