Weitra trauert um beliebten Nachtwächter Ernest Zederbauer
Nachtwächter Ernest Zederbauer führte zu Lebzeiten jährlich tausende Menschen durch die Stadt Weitra.
"Er hat jedes Jahr tausende Menschen durch unsere Stadt geführt", erzählt Patrick Layr, Bürgermeister von Weitra, gegenüber dem KURIER. "Ernest Zederbauer kannte jeden Winkel dieser Stadt und ihre Geschichte in- und auswendig."
Vergangenen Sonntag verstarb der Nachtwächter von Weitra im Alter von 78 Jahren. Das hinterließ bei vielen Menschen auch über die Stadtgrenzen hinaus eine große Lücke.
Bodenständig und mit Schmäh
Für Heinrich Jelinek, einen guten Freund Zederbauers, kam das Ableben des Nachtwächters ganz unerwartet. Vor ein paar Tagen hatte er noch mit seinem Freund telefoniert. Er beschreibt den Nachtwächter als bodenständigen Mann: "Er hat die Menschen bei seinen Führungen nicht mit Zahlen überschüttet, sondern historisch fundiertes Wissen pointiert vermittelt."
Ernest Zederbauer begeisterte bei Stadtführungen unzählige Besucherinnen und Besucher.
Bei einer dieser beliebten Führungen hatte Jelinek Zederbauer auch kennengelernt. Das sei im Jahr 2010 gewesen. Zwischen den zwei Männern habe sich dann über die Jahre eine tiefe Freundschaft entwickelt. Sein Eindruck von Zederbauer sei exemplarisch für viele Menschen, die ihn gekannt oder erlebt hatten, so Jelinek. Denn den Nachtwächter von Weitra schätzten viele und das nicht nur für sein historisches Wissen.
Koryphäe der Stadt
Über die Jahre war Zederbauer vielfältig in Weitra präsent. Neben seiner Rolle als Nachtwächter engagierte er sich viele Jahre als Gemeinderat und Vizebürgermeister sowie in mehreren Vereinen der Stadt. Als Obmann der Wirtschaftsvereinigung war er Mitinitiator des Weitraer Weihnachtsmarktes.
In seiner Freizeit schrieb der Nachtwächter Krimis und Sachbücher, in die seine Liebe zur Geschichte des Waldviertels mit einfloss. Internationale Nachtwächtertreffen, die der 78-Jährige ebenfalls organisierte, machten ihn über Landesgrenzen hinweg bekannt.
"Er war ein irrsinnig authentischer Mensch und hat einen guten Schmäh besessen", erklärt Layr. Deshalb habe er die Menschen auch noch oft nach seinen Führungen mit in das Gasthaus begleitet, wo sich weiter ausgetauscht wurde. "Er wird fehlen", sagt Bürgermeister Layr abschließend. Das bleibt auch aus den Gesprächen mit Menschen, die den Nachtwächter kannten, hängen.
Kommentare