Wappenring für einen, der "in Hollabrunn hängen geblieben ist"

Einst war er Präsident der Österreichischen Notariatskammer, jetzt ist Ludwig Bittner (72) Träger des Hollabrunner Wappenrings.
Wappenring Ludwig Bittner

Ein Bürgermeister legt nicht oft seine Kette um, der Hollabrunner tat es zuletzt am Mittwochabend. Da durfte Stadtchef Alfred Babinsky (ÖVP) dem ehemaligen Präsidenten der Österreichischen Notariatskammer, Ludwig Bittner, den Wappenring der Stadtgemeinde überreichen.

Bittner war 29 Jahre lang Notar in der Bezirkshauptstadt und hat aus dem ehemaligen Armenhaus in der Amtsgasse seine Kanzlei gemacht. Im Jänner 2024 trat er mit 70 Jahren und vier Monaten seine Pension an. "Er ist einer, der Entwicklungen früh erkennt und mitgestaltet", beschreibt Babinsky den Wahl-Raschalaer. Bittner studierte Jus und Volkswirtschaften und promovierte in beiden Fächern; er ist Experte fürs Grundbuch, unterrichtete an der Universität, war Vizepräsident des Österreichischen Juristentages und ist Verfasser unzähliger Publikationen. 

Jurist, Stiftungs-Vorsitzender und Köllamaun

"Als geborener Wiener habe ich nicht damit gerechnet", scherzte Bittner, der 1995 nach Hollabrunn kam. Von da an brachte er sich in die Gesellschaft ein. Er gehört dem Sparkassenverein an und ist seit 2018 Vereinsvorsteher, er ist Mitglied im Aufsichtsrat der Privatstiftung Weinviertler Sparkasse, wo er derzeit den Vorsitz innehat. Nicht zu vergessen: Er ist Mitglied der Raschalaer Köllamauna.

Wappenring Ludwig Bittner

Wappenring Ludwig Bittner

Wappenring Ludwig Bittner

Wappenring Ludwig Bittner

Wer den Juristen kennt, der weiß, dass es schwierig ist, ihn zuhause in Raschala zu erwischen, denn er ist immer auf Achse, immer mit dem Zug. Da kennt er jede Strecke, jeden Halt auf einer Nebenbahn. Wann sind wo Sonderzüge unterwegs? Wo wird gestreikt? Bittner weiß das alles. Und: Er darf sogar selbst Dampfloks fahren. 

Keine Übung im Ringanstecken

Da Bittner und Babinsky regelmäßig gemeinsam im Gasthaus frühstücken - selbst wenn der 72-Jährige erst spät nachts von einer Zugreise zurückkommt -, wurde vorab besprochen, ob der Stadtchef dem pensionierten Notar den Wappenring anstecken soll. "Ich hab darin keine Übung. Das letzte Mal hab ich meiner Elfi vor 45 Jahren einen Ring angesteckt", scherzte Babinsky mit Blick zu seiner Ehefrau. Der Wappenring wurde also in einer Schatulle nicht weniger feierlich überreicht.

Wappenring Ludwig Bittner

Der pensionierte Notar Ludwig Bittner erhielt den Wappenring der Stadtgemeinde Hollabrunn. 

"Das Weinviertel hat mich immer schon fasziniert"

"Vor Ihnen steht jemand, der noch  nie einen Ring oder einen Hut getragen hat", trat Bittner schmunzelnd vor die Gästeschar, der auch zwei Ehrenbürger der Stadt - Altlandeshauptmann Erwin Pröll und Altbürgermeister Maximilian Kaltenböck - angehörten. Bittner ist zwar in Hietzing geboren und aufgewachsen, sein Großvater Julius Bittner war aber Richter in Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach), der Bezug zum Weinviertel war also immer schon gegeben. "Es hat mich auch immer schon fasziniert", gestand der Jurist. So überredete er seine Eltern, einen Ausflug dorthin zu machen. Nicht mit der Lok, sondern mit dem Bus.

"Wirst sehen, du wirst da hängen bleiben"

Beruflich konnte er sich nicht vorstellen, dass er einmal hier landen würde. Er bewarb sich routinemäßig in Hollabrunn, als er gerade in Döbling in Wien arbeitete. Der Erstgereihte zog seine Bewerbung zurück und so kam Bittner nach Hollabrunn. Ein befreundeter Notar, Herbert Fürnkranz, habe ihm damals schon prophezeit: "Wirst sehen, du wirst da hängen bleiben." Und er sollte recht behalten.

Es sei ihm eine Freude, mitzuwirken und ein Vergnügen, "wenn man alle kennt". Sein Rezept für eine erfolgreiche Karriere und gelungenen Lebensweg? "Ehrlich sein, kompetent sein und schnell sein."

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