100.000 Essen in 10 Jahren: Essen auf Rädern aus der Gefängnisküche

Im April wird in der Sonnberger Gefängnisküche ein Jubiläum gefeiert: Seit zehn Jahren kocht man für Essen auf Rädern - und alle sind zufrieden.
Küche Justizanstalt Sonnberg

Um 6.30 Uhr beginnt der Dienst in der Küche der Justizanstalt (JA) Sonnberg im Bezirk Hollabrunn. Gekocht wird für die Insassen, derzeit sind das um die 370. "Wir sind überbelegt, wie jede Anstalt", berichtet René Zeitlberger. Er gehört der Justizwache an und ist Leiter des Wirtschaftssektors.

Aber wenn in Sonnberg gekocht wird, dann nicht nur für die Insassen, sondern auch für Essen auf Rädern der Stadtgemeinde - und das mittlerweile seit zehn Jahren. "Am 4. April 2016 haben wir mit 33 Essen angefangen", erinnert sich Dieter Höhs, damals noch als stellvertretender Leiter der Anstaltsküche, seit 2023 ist er Küchenchef. Heute sind 45 Kunden angemeldet, die nicht täglich ihr Mittagessen von der Justizanstalt beziehen. Darum sind es zwischen 36 und 41 Menüs, die täglich das Gefängnis verlassen. 

Freiwillige liefern Essen aus

Abgeholt werden die Menüs - Suppe, Hauptspeise und Nachspeise - von freiwilligen Fahrern der Gemeinde. "Wir haben derzeit acht Freiwillige, die alle liebend gerne unterwegs sind", berichtet Helmut Schneider, Leiter der Allgemeinen Verwaltung der Stadtgemeinde. Gefahren wird eine Woche lang in Zweier-Teams, dann wird gewechselt. "Die Justizanstalt ist die einzige Möglichkeit für uns, das Essen 365 Tage im Jahr zu beziehen", erzählt Schneider. Denn dieser Service wird auch am Wochenende und an Feiertagen angeboten.

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

Küche Justizanstalt Sonnberg

In der Krankenhausküche wird zwar auch täglich gekocht, aber: "Die sind uns irgendwann zu teuer geworden." Kostendeckend ist das Angebot nicht, die Gemeinde schießt laut Schneider ungefähr 30.000 Euro pro Jahr zu, damit Essen auf Rädern für die Kunden leistbar bleibt. Im Vorjahr wurde übrigens in neues Geschirr investiert: "Wir sind stolz, dass es kein Plastikgeschirr, sondern echtes Porzellan ist." Das sei hygienischer und halte länger warm. 

Zweites Auto "rechnet sich nicht"

Mehr als die 45 angemeldeten Kunden seien derzeit nicht möglich, da nicht mehr Boxen in das Auto, das von der Hollabrunner Wirtschaft gesponsert wird, hineinpassen. "Wir haben eine Warteliste von zehn bis 15 Personen", berichtet Schneider. Die Sonnberger Anstaltsküche hat zwar diese weiteren Kapazitäten, wie Höhs bestätigt, das Fahrzeug jedoch nicht. "Und ein zweites rechnet sich nicht", erklärt Schneider.

Vor genau zehn Jahren ist die Gemeinde an die Anstalt herangetreten. Der Service wurde zunächst von der örtlichen Gastronomie, dann vom Hollabrunner Studentenheim übernommen. Doch Essen auf Rädern sei damals unwirtschaftlich gewesen, zudem war es eine Herausforderung, die bestellten Mahlzeiten während der Urlaubszeit, der Ferien oder an Feiertagen zu liefern. "Unser Vorteil ist, dass wir 365 Tage im Jahr offen haben", scherzt Zeitlberger. 

420 Portionen pro Tag

"Es hat bisher keine Beschwerden gegeben, die Leut sind froh, dass wir für sie kochen", erzählt Höhs, der mit seiner Mannschaft um die 420 Portionen pro Tag kocht. Das bestätigt Schneider: "Das Essen kommt sehr gut an, wir evaluieren auch regelmäßig." Normal- und Schonkost werden angeboten, ebenso wie Menüs für Diabetiker. "Wir hatten auch einmal eine Dame, die hat vegetarisch gegessen. Leider ist sie schon verstorben", erinnert sich der Koch.

Ende April werden es 100.000 Essen sein, die in der JA für Essen auf Rädern gekocht haben wird. Zwei Beamte und 15 Insassen sind dafür täglich am Werk. Natürlich sind nicht alle ausgebildete Fachkräfte. Das muss auch nicht sein, wie Höhs selbst vorlebt: Der Abteilungsinspektor war 22 Jahre Justizbeamter in der Anstalt Wien Josefstadt, bevor er 2013 nach Sonnberg gekommen ist. Als gelernter Fleischer und leidenschaftlicher Hobbykoch steht der Küchenchef gern selbst in der Küche; zudem absolvierte er eine Ausbildung zum diätisch geschulten Koch. 

"Ich arbeit gern mit den Insassen zusammen. Die sind stolz darauf, dass sie Essen auf Rädern machen", weiß der Küchenchef. Da nickt Zeitlberger: "Es ist eine Dienstleistung für die Gesellschaft."

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