"fun4all": Hollabrunn feiert ohne Barrieren bei integrativem Gschnas

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Am 29. Jänner erklingt im Hollabrunner Stadtsaal die "fun4all"-Hymne: Der Startschuss für ein Faschingsgschnas ohne Vorbehalte.

Tanzen, Lachen, Begegnen - das ist das Motto von "fun4all☺cu". Das ist der Name des integrativen Gschnas im Hollabrunner Stadtsaal, zu dem jeder kommen darf, der 15 Jahre und älter ist.

"Es ist immer am Donnerstag vor den Semesterferien. Da sind alle noch da, haben aber keinen Stress", spricht Maria Breindl über den Termin. Heuer wird also am 29. Jänner im Stadtsaal gefeiert. Die Vorbereitungen laufen und jeder weiß, was noch zu tun ist. 

Achte Auflage heuer

Breindl und Michaela Böhm sind die federführenden Organisatorinnen, die ihr ganzes Herzblut in das integrative Gschnas stecken - und das von Anfang an. Heuer geht "fun4all☺cu" in die achte Runde. "Drei Mal mussten wir schweren Herzens coronabedingt absagen", erinnert sich Breindl. Auch wenn es allen schwer fiel, weil das Gschnas sehr gut angenommen wird, sei es die richtige Entscheidung gewesen.

Die richtige Entscheidung war es auch, das Faschingsfest für behinderte und nicht behinderte Jugendliche überhaupt aus der Taufe zu heben, darin sind sich die beiden Frauen einig. "Wir haben einen Fernsehbericht über eine ähnliche Veranstaltung gesehen und haben gesagt: So etwas brauchen wir auch", erinnert sich Böhm. 

"fun4all" als Fixpunkt im Ballkalender

Gesagt, getan. Die beiden waren Lehrerinnen an der Allgemeinen Sonderschule in Hollabrunn, die Breindl später leitete. Sie warf ihr Netzwerk an, denn das Ziel war klar: "Fun4all soll ein fixer Bestandteil im Hollabrunner Ballkalender werden", erinnert sich die ehemalige Schulleiterin. Und zwar für Menschen ab 15 Jahren.

Um Barrieren abzubauen, wurden alle Schulen in der Bezirkshauptstadt mit ins Boot geholt. Die beiden Sonderschullehrerinnen stellten ihr Konzept beim Bürgermeister, damals noch Erwin Bernreiter, vor. "Er hat gesagt, das schaff" ma schon", ist Breindl froh, dass der Event von Beginn an von der Gemeinde unterstützt worden ist. 

Höchste Zeit für integratives Gschnas

Kiwanis, Lions, Rotarier - alle wurden kontaktiert. "Alle haben ja gesagt und uns unterstützt", erinnert sich Breindl, denn es sei höchste Zeit für eine solche Veranstaltung gewesen. 

Jede Schule darf bei der Planung und Umsetzung ihre Stärken einbringen. Cocktails mixen, des Buffet bestücken, dekorieren, musizieren, tanzen oder bei der Technik helfen.  "Das Sonnendach ist auch immer dabei", schildert Breindl, dass die Klienten der Hollabrunner Behinderteneinrichtung in jedem Jahr zu den Gästen zählen.

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"Eine Mutter, die ich nicht kenne, ist bei einem Gschnas zu mir gekommen und hat mir mit Tränen in den Augen dafür gedankt, dass ihr Bub kommen kann", erzählt Böhm von einem berührenden Moment. Da nickt Breindl wehmütig: "Es gibt nichts, wozu sie eingeladen und willkommen sind." 

Alle sind willkommen

Doch zum "fun4all" sind alle eingeladen und alle willkommen, bei freiem Eintritt. "Es ist schön zu sehen, wie die Vorbehalte nachlassen und alle lustig sind", beobachtet Breindl jedes Jahr, dass behinderte Menschen und jene ohne Beeinträchtigung miteinander tanzen und lachen. "Es darf jeder kommen, es ist eine öffentliche Veranstaltung", betonen die Organisatorinnen. Eine Seniorengruppe hat sich schon angesagt.

"Eine Mutter hat mir mit Tränen in den Augen gedankt, dass ihr Bub kommen kann."

von Michaela Böhm

"fun4all"-Organisatorin

Ein Highlight des Events ist die "fun4all"-Hymne, die der Hollabrunner Musiker Peter Dissauer, auch bekannt als "Dixie", für die inklusive Veranstaltung komponiert hat. "Die wird am Anfang und am Ende vom Gschnas gespielt. Da hüpf ma, wie junge Pupperl", schmunzelt Breindl.

Alkoholfrei, aber mit bester Laune

Und das ganz ohne Alkohol. Den gibt es beim "fun4all" nämlich nicht. "Dafür haben wir uns bewusst entschieden", schildern die Organisatorinnen. Denn behinderte Menschen müssen oft Medikamente nehmen, die sich nicht mit Alkohol vertragen. Darum wird ganz darauf verzichtet. 

Was zum Gschnas ebenso dazu gehört wie die Hymne, ist der Smiley, der auf einem Armband für jeden Gast gute Laune verbreiten soll.

Eine Neuerung freut die beiden Damen sehr:  Die HTL-Schüler Florian Winkelhofer und Peter Himmelbauer haben ihr Maturaprojekt einem Reservierungssystem gewidmet. Wer einen Tisch reservieren will, kann das nun bequem online unter fun4all.htl-hl.ac.at tun.

Breindl und Böhm machen bis zum 10. weiter

Wenn die Stimmung toll ist, ein Miteinander entsteht und die Gäste vorbehaltlos aufeinander zugehen, dann sind Böhm und Breindl glücklich. "Uns ist wichtig, dass es weitergeht. Wir sehen die Sonderschule weiterhin als ideale Schnittstelle für die Organisation", denken die beiden ASO-Lehrerinnen schon an ihre "fun4all"-Pension. Bis zum zehnten Gschnas wollen sie noch federführend dabei sein, dann aber übergeben.

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