© ROBERT HERBST/Weingut Huber

Chronik Niederösterreich
03/30/2021

Wein: Ein „Grüner“ soll die Welt erobern

Im Traisental entstand aus der Krise ein neuer Veltliner, hochpreisige Tropfen bleiben gefragt.

von Johannes Weichhart

Eigentlich wäre Markus Huber wieder einmal auf Reisen. 90 Tage im Jahr ist Huber unterwegs, doch seit einem Jahr lässt ihn Corona am Boden bleiben. Deshalb sitzt der 41-jährige Winzer auf seinem Traktor, knattert durch die Weingärten, um nach seinen Rebstöcken zu sehen. Es scheint die Sonne über dem Traisental in Niederösterreich; Heimat statt öder Airports.

Dennoch war es ausgerechnet eine internationale Veranstaltung, die zwei Männer zusammenbrachte, die den Wein weiterentwickeln wollen. Huber traf im Februar 2020 in Paris auf Lenz Moser V., den Enkel des bekannten Winzerpioniers aus der Wachau. Moser gilt als Marketing-Guru in Sachen edler Tropfen, Huber zählt mittlerweile zu den bekanntesten Produzenten in Österreich.

„Wir haben darüber nachgedacht, wie man den Grünen Veltliner (GV) auf dem internationalen Parkett noch bekannter machen könnte“, erzählt Huber, der 35 Exportmärkte beliefert. Die vielen Sorten und Herkunftsbezeichnungen würden ausländische Kunden nach wie vor verwirren, es brauche deshalb einen Wein mit einem hohen Wiedererkennungswert, so der Niederösterreicher.

Herausgekommen ist ein GV mit dem Namen „New Chapter“ (neues Kapitel, Anm.), der in der Falstaff-Bewertung 94 Punkte erreichte. „Er ist reif und kraftvoll, aber nicht opulent“, berichtet der Winzer. Das Produkt, so Huber, sei auch ein Resultat der Corona-Pandemie. „Ich hatte endlich Zeit zum Nachdenken, konnte mich auf Neues konzentrieren.“

Ausnahmejahr

Bleibt die Frage, wie es den vielen anderen Winzern in Österreichs größtem Weinbaugebiet (28.000 Hektar Rebfläche) geht? Der KURIER fragte bei NÖ Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann nach. Das Vorjahr sei jedenfalls in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmejahr gewesen, so Zöchmann.

Einerseits hätten sich bei geschlossenen Gastronomiebetrieben die Weinlieferungen in den Lebensmittelhandel und zu Ab-Hof-Verkäufen verlagert. Gefragt waren – wider die Befürchtung im ersten Lockdown – nicht nur billige Weinsorten, sondern genauso mittel- bis hochpreisige Flaschen.

Darüber hinaus sei im Online-Handel mehr Wein verkauft worden als je zuvor. Andererseits sei im Vorjahr zwar weniger Wein in die USA verkauft worden, doch die Nachfrage nach österreichischen Weinen stieg in skandinavischen Ländern und in Kanada an.

„Auszeichnung höchster Art“

Der Inlandstourismus habe im Sommer ein kurzes Hoch erlebt, wodurch vor allem örtliche Winzer profitiert hätten. „Letztendlich konnte das alles nicht wettmachen, was in der Gastronomie gefehlt hat“, stellt der Experte fest. Die Verlierer seien mit Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent die Lieferanten der Wiener Gastronomie.

Mit 2,39 Millionen Hektoliter lag die produzierte Menge zwar etwas unter dem Durchschnitt, bezüglich der Qualität sei das Weinjahr 2020 jedenfalls ein gutes gewesen, so Zöchmann. Das Ergebnis war ein nicht ganz so kräftiger, fruchtiger Wein.

Internationale Nachahmer

Der Grüne Veltliner sei dabei in aller Munde und zähle nicht nur in Österreich zu den besonders beliebten Weinsorten. Die österreichische Weinsorte werde inzwischen auch in anderen Ländern produziert. Das bedeute laut dem Weinbaupräsidenten eine Auszeichnung der höchsten Art: „Nur etwas Gutes versucht man nachzumachen“.

Bei einem Blick auf 2021 könne man nur warten und hoffen, meint Zöchmann. Weil das Wetter bisher lange kühle Temperaturen mit sich brachte, treiben die Weinreben später aus, somit sei die Gefahr für Spätfrost niedriger. Dazu komme die hohe Winterfeuchtigkeit. Damit sind zumindest die ersten Voraussetzungen für eine gute Ernte 2021 gegeben.

Zahlen

1,79 Millionen Hektoliter Wein wurden 2020 in NÖ gekeltert

22.297 Hektar ertragfähige Fläche für Weißwein gibt es im Bundesland – 747 davon liegen im Traisental. Österreichweit sind es 32.771 Hektar

185,4 Millionen Euro wurden 2019 österreichweit durch den Weinexport erzielt – ein Rekordwert, der in 102 Ländern erwirtschaftet wurde

 Quelle: Statistik Austria

Mitarbeit: Verena Huber

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