Chronik | Niederösterreich
31.07.2018

Wasserrettung: "Eltern geben die Verantwortung ab"

Bis zu 32 Stunden dauert die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Bademeister benötigen sie nicht.

Bei Temperaturen bis zu 36 Grad suchen die Österreicher Abkühlung in Bädern und Seen. Das bedeutet auch Hochsaison für die Rettungsschwimmer.

Die rote Badehose und der roten Badeanzug sind nicht nur das Markenzeichen der Stars aus der Serie Baywatch, sondern auch jenes der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR). Die Mitglieder sind nicht nur auf Seen und Flüssen im Einsatz, sondern unterstützen auch Bademeister in den Freibädern und bilden Rettungsschwimmer aus. „Das ist jedes Mal lustig, bei Eventlocations, wenn die Leute ,Mitch, Mitch’ oder ,Pamela’ rufen,“, erzählt Ausbildner Ralph Hamburger, während er am Beckenrand des Freibads in Perchtoldsdorf steht. Dann springt er im Ausfallschritt ins Wasser. Elegant ist anders, aber wenn Hamburger mit diesem „Rettungssprung“ ins Wasser hüpft, geht es nicht um Eleganz, sondern um ein Menschenleben.

485 Personen haben im Vorjahr bei der Wasserrettung den Rettungsschwimmerschein gemacht. „Der Kurs steht jedem offen, der Interesse hat und gut schwimmen kann“, sagt Hamburger. Private, Mitglieder der Wasserrettung oder Leute, die den Helfer- oder den Retterschein beruflich benötigen, machen die Ausbildung. Je 16 Stunden dauert ein Kurs, für den Retterschein muss ein „Verunglückter“ in Summe 200 Meter weit durchs Wasser gezogen werden.

Köpfe zählen

„Zu 90 Prozent ertrinken die Leute binnen zehn Metern vom Rand oder Ufer entfernt“, erklärt Hamburger. Sind sie im Bad im Einsatz, zählen die Wasserretter daher die Köpfe im Wasser, um den Überblick zu behalten. „Wer ertrinkt, wird die Arme nicht hochheben. Ertrinken passiert leise“, sagt er. Sieht ein Retter jemanden untergehen, läuft die Rettungskette an: Er versucht, sich die Position zu merken. Dann macht er andere Badegäste aufmerksam und läuft am Beckenrand so weit wie möglich zum Verunglückten. Das sei schneller, als zu schwimmen, erklärt Hamburger. Für die Rettung selbst gibt es verschiedene Griffe und Geräte. „Das beliebteste Rettungsgerät ist der Gurtretter.“ Für Laien tue es statt der gelben Schwimmwurst auch eine Luftmatratze.

Kritik übt der Retter an einigen Badegästen: „Viele Eltern geben im Bad die Verantwortung ab,“ meint Hamburger. Kombiniert mit fehlenden Schwimmkenntnissen vieler Kinder ein tödlicher Fehler. „Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste Todesursache“.

Mit dem Gurtretter üben gerade Katharina Varga und Aref Husseini. Er treibt bäuchlings im Wasser, sie drückt ihn mit der Schwimmhilfe hinunter und dreht ihn um. Der Afghane lernt erst seit drei Monaten schwimmen und will sich bei der Wasserrettung engagieren,Varga hat den Retterschein schon in der Tasche. Im August wird sie in Baden als Bademeisterin arbeiten. Obwohl sie die Ausbildung dafür gar nicht bräuchte, wie sie erklärt.

„Es gibt kein Gesetz, dass der Bademeister schwimmen können muss“, bestätigt Hamburger. Erst seit kurzem schreibe eine ÖNORM den Helferschein vor. Bäder seien aber nicht verpflichtet, nur derart ausgebildete Bademeister einzustellen. „Ich habe die Ausbildung gemacht, weil ich mich dann besser fühle“, sagt Varga.

Dass die zierliche 18-Jährige einen erwachsenen Mann bergen können muss, sei kein Problem, wie Retterin Irene Weinhappel erklärt. „Mit der richtigen Technik funktioniert das.“ Ohnehin haperte es bei den meisten beim Tauchen. In Perchtoldsdorf geben Weinhappel und Hamburger deshalb abseits des Kurses „Nachhilfe“. „Wir wollen, dass es die Leute schaffen. Je mehr Rettungsschwimmer, desto besser.“

Kurse und Infos: www.ertrinken.at

Wasserrettung: 13.000 im Einsatz

Die Organisation

Die Österreichische Wasserrettung (ÖWR) zählt bundesweit 13.000 Mitglieder, die in neun Landesverbänden organisiert sind. Aufgabe der ÖWR ist neben der Durchführung von Wasserrettungs- und Katastrophenhilfsdiensten auch die Ausbildung im Schwimmen, Rettungsschwimmen, Tauchen sowie Rettungstauchen. Im Vorjahr absolvierten die Wasserretter 93.400 Einsatzstunden sowie 63.500 Ausbildungsstunden. 1100 Personen machten den Helfer-, 485 den Retterschein.

Rettungsschwimmer

Um den Retterschein machen zu können, muss man im Besitz des Helferscheins sein und das 16. Lebensjahr vollendet haben. Die Prüfung umfasst etwa 30 Minuten Dauerschwimmen, Tieftauchen bis vier Meter, Retten und Transportieren einer gleich schweren Person und Erste-Hilfe-Kenntnisse. Auch vier weitere Organisationen, wie der ASBÖ oder das Jugendrotkreuz bilden Rettungsschwimmer aus.

Hitzewelle: Portugal erwartet Temperaturen bis 46 Grad

Europa schwitzt und die Hitzewelle erreicht erst in den kommenden Tagen ihren Höhepunkt. In Österreich werden am Mittwoch und Donnerstag im Osten, etwa im Wiener Raum sowie im Weinviertel, Temperaturen von bis zu 37 Grad erwartet. „Die 30 Grad werden aber in jedem Bundesland weit überschritten“, sagt Ubimet-Meteorologe Konstantin Brandes. Abkühlung gibt es erst ab 800 bis 1000 Metern Seehöhe. Im Tiefland erwarten die Österreicher Tropennächte, bei denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad fallen.

Dabei ist es hierzulande noch verhältnismäßig „kühl“. „Der heißeste Fleck derzeit ist die iberische Halbinsel“, sagt Brandes. „Dort sind Spitzenwerte von 45, 46 Grad zu erwarten.“ Erträglicher sei es an der Atlantik-, sowie der Mittelmeerküste und den Balearen. Abkühlung gibt es übrigens nicht einmal im Meer. So werden in der Adria derzeit 28 Grad gemessen, bei Zypern hat das Mittelmeer mit 30 Grad schon bald Badewannen-Temperatur.

Wer Erfrischung sucht, muss bis London oder Dublin reisen. Dort sorgt ein Tiefdruckgebiet für Abkühlung auf 25 bis 26 Grad, auch in Skandinavien pendelt sich ab Donnerstag die Temperatur bei 16 bis 22 Grad ein. Vorerst sorgt aber die auf 25 Grad aufgeheizte Ostsee noch für Tropennächte in Stockholm und Helsinki.

Grund für die Hitzewelle ist laut Brandes, dass seit Wochen kein atlantisches Tiefdruckgebiet über Europa gezogen sei. Von Temperaturen der Hitzesommer 2003 und 2013 sei man aber noch entfernt. Damals kletterte das Thermometer im Burgenland auf mehr als  40 Grad.