Chronik | Niederösterreich
03.03.2018

Waldviertler Textilbetrieb taumelt erneut

"Baumann Dekor" in Nöten / Halbe Belegschaft wurde zur Kündigung vorgemerkt.

Die Textilindustrie war einst der Stolz des Waldviertels, in der Tausende Arbeiter sichere Beschäftigungen hatten. Die Globalisierung und die billiger produzierende Konkurrenz im Fernen Osten waren die Hauptgründe für den dramatischen Niedergang der Branche in den 1990er Jahren, von der nur noch ein Bruchteil der Betriebe übrig ist. Dass auch danach die Suche nach Nischen und Aufträgen nicht einfacher wurde, zeigt die jüngste Vergangenheit. Genau zehn Jahre nach dem Ende von Ergee in Schrems, wovon nur noch der Markenname existiert, und einem Neustart bei Wirtex und Backhausen wackelt erneut ein Traditionsbetrieb. Bei der Firma Baumann Dekor in Gmünd sieht die Zukunft alles andere als rosig aus.

Frühwarnung

Vor wenigen Tagen ist mehr als die halbe Belegschaft im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) zur Kündigung vorgemerkt worden, weiß Michael Preissl, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Gmünd: "Betroffen sind 19 Arbeiter und elf Angestellte von insgesamt 50 Bediensteten." Bisher sei nur eine einzige Kündigung ausgesprochen worden, weitere könnten – wie angekündigt – ab 19. März folgen.

Das Problem sei, dass die Aufträge fehlen würden. Bekannt ist die Firma als Erzeuger spezieller Stoffe, die auch in Luxushotels oder auf Kreuzfahrtschiffen wie der "Queen Elizabeth" zu finden sind. Bereits im Vorjahr hat Baumann auf Kurzarbeit umgestellt, um auf die Dürre in den Produktionsbüchern zu reagieren. "Rund um Ostern werden wir wissen, wie es tatsächlich weitergeht", sagt Preissl, der keine Maßnahmen gegen die angemeldeten Kündigungen geplant hat. Denn eines sei für ihn klar: "Dem Eigentümer fehlen die Geldgeber."Auf Anfrage des KURIER wollte die Vertreterin des Unternehmens derzeit keine Stellungnahme abgeben. Sie kündigte allerdings für kommende Woche eine Firmenaussendung an.

Baumann Dekor schlitterte schon einmal in die Pleite. 2011 gelang eine Rettung, als ein Bieterduo das Ruder übernahm und den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land zog. Vor der Insolvenz hatte das Unternehmen 150 Mitarbeiter, zu Spitzenzeiten waren es 300.