"Bier wird fast nur noch zum Aktionspreis gekauft"
Karl Schwarz im Hopfenfeld.
Wer sich auf die Suche nach den Ursprüngen der niederösterreichischen Braukultur macht, landet früher oder später in Weitra. Bereits vor 705 Jahren wurde der Bevölkerung vom Habsburgerkönig Friedrich dem Schönen das Privileg eingeräumt, selbst Bier herzustellen. Damit darf sich die Stadt im Waldviertel als älteste Braustadt Österreichs bezeichnen.
Im 17. Jahrhundert gab es neben dem städtischen und dem herrschaftlichen Hofbräuhaus rund 33 bürgerliche Brauhäuser. Heute entsteht in Weitra nur noch an wenigen Orten Bier – und das großteils in der Bierwerkstatt Weitra, die aus dem herrschaftlichen Hofbräuhaus hervorging und von der Familie Pöpperl weiterentwickelt wurde.
2003 übergaben die Inhaber den Betrieb an den Unternehmensverbund der Privatbrauerei Zwettl. In "bester Freundschaft" und aus Zweifel an der künftigen Lebensfähigkeit einer alleinstehenden Brauerei, sagt Karl Schwarz. Der Braumeister und Obmann des Verbandes der österreichischen Brauereien ist Inhaber der Privatbrauerei Zwettl.Mit dem KURIER hat er über das traditionelle Bierbrauen in zunehmend schwierigen Zeiten gesprochen.
Die Abfüllanlage in Zwettl.
Weitra gilt als die älteste Braustadt Österreichs, seit Jahrhunderten wird in der Region Bier hergestellt. Warum genau hier?
Weil wir aufgrund der geologischen Situation, also dem Granit- und Gneishochland, sehr gutes Wasser zum Bier brauen haben. Sehr weiches Wasser nämlich. Darum haben sich schon im frühen Mittelalter viele Hausbrauer in der Region niedergelassen und Weitra hat hier eine ganz besondere Pionierrolle eingenommen. Von Weitra ausgehend ist die Zunft des Bierbrauens im ganzen Waldviertel, oder eigentlich in ganz Ostösterreich reguliert worden. Und man merkt auch heute noch, dass Weitra ein Ort ist, wo Bier eine große Rolle spielt. Auch in einem noch größeren Ausmaß, als ich es von Zwettl kenne.
Sie haben das Wasser erwähnt. Mit Blick auf diese Ressource, aber auch auf Hopfen und Gerste: Beschäftigt Sie der Klimawandel?
Absolut. Der Hopfen, den wir in Zwettl und Weitra verwenden, kommt zur Gänze aus eigener Herstellung. Sechs Familien bauen in einem Radius von 20 Kilometern rund um Zwettl für uns Hopfen an. Heuer haben wir erstmalig zwei Felder bewässert – das ist wirklich ein Novum und zugleich eine Notwendigkeit.
Den Brauereien setzt nun aber nicht nur der Klimawandel, sondern auch der sinkende Bierkonsum zu.
Eine große Veränderung hat die Zeit nach Covid gebracht, wo sich das Konsumverhalten massiv geändert hat. Einerseits verbringen Leute mehr Zeit zuhause mit ihren Freunden, gerade junge Leute. Ich sehe das auch bei meinen Kindern. Das setzt der Gastronomie zu, und Gastronomie ist stark mit Bierkonsum verbunden. Zudem bringen Krisen und Kriege große Verunsicherung. Es wird viel gespart, und beim Sparen wird stärker auf Rabatte geachtet. Bier wird im Lebensmittelhandel fast nur noch zum Aktionspreis gekauft. Das sind zwei massive Auswirkungen auf die Bierbranche. Ein weiterer Faktor ist der Pfand. Aus dem allen heraus ist es im Jahr 2025 zu einem für die Branche großen Rückgang von 7,1 Prozent gekommen und darauf müssen sich die Brauereien einstellen.
Wie gehen Sie damit um?
Da gibt es viele kleine Stellschrauben, aber zugegeben: Es ist eine Herausforderung. Eine der Antworten, die gut funktioniert, aber das Mengenminus nicht zur Gänze kompensieren kann, ist alkoholfreies Bier. Das ist ein sehr stark wachsender Bereich, kompensiert aber nicht die Rückgänge. Das heißt, gerade mittelständische Brauereien richten sich hier stark mit anderen, alkoholfreien Getränken aus - Stichwort Limonaden, Eistee.
Trotz vieler Herausforderungen glaubt Schwarz nicht, dass der österreichische Brauereiszene einschneidende Veränderungen bevorstehen.
Abschließend ein Blick in die Zukunft. Was könnte der Branche in den kommenden Jahren bevorstehen?
Ich glaube, dass das alkoholfreie Segment, wo wir aktuell bei vier Prozent liegen, sehr rasch Richtung 10 Prozent geht. In Österreich sind wir beim Bierkonsum noch auf einem sehr hohen Niveau, mit etwa 96 Liter pro Kopf. Die Frage ist nur, wann haben wir beim Rückgang das Tal erreicht. Ich glaube, es wird noch um ein paar Liter pro Jahr zurückgehen, auf 90 oder in Richtung 80. Aber ich glaube nicht, dass sich Bier so stark reduzieren wird, dass es einschneidende Veränderungen in der Brauereiszene in Österreich gibt. Weil Bier seit Jahrtausenden ein Kulturgut ist.
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