Chronik | Niederösterreich
21.07.2018

Waldviertel: Realitätsnahes Training mit scharfen Waffen

Großübung mit 300 Soldaten und 21 Panzerfahrzeugen auf dem militärischen Übungsgelände.

Dutzende Soldaten marschieren zügig hinauf auf den Aussichtshügel. Oben haben schon 200 bis 300 andere mitten auf der Wiese Platz genommen, führen untereinander Gespräche oder starren auf ihre Smartphones. Aus mehreren rundherum aufgestellten Lautsprechern dröhnt „It’s My Life“ von Bon Jovi. Während die ranghohen Offiziere auf dem Kommando-Hochstand die letzten Vorbereitungen treffen, warten die Zuseher, bis das Spektakel beginnt.

Was so wirkt, wie der Augenblick vor einer Kinovorführung unter freiem Himmel, ist allerdings der Moment vor einer groß angelegten Übung des Bundesheeres mit 300 Soldaten und allen in Österreich vorhandenen Waffensystemen auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel. Erstmals sind auch zwei bewaffnete Eurofighter Typhoon mit dabei, die einen Luft-Boden-Einsatz demonstrieren.

Einsatzsituationen

Großübung auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig

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Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Üben für den militärischen Ernstfall

Um für den militärischen Ernstfall gerüstet zu sein, üben die Soldaten regelmäßig mit scharfer Munition – diesmal vor den Augen Dutzender Offiziersanwärter der Militärakademie Wiener Neustadt, die sehen sollen, wie die Waffen tatsächlich funktionieren. Es geht um ein möglichst realitätsnahes Bild aller Einsatzsituationen. „Wir wollen die Einsatzgrundsätze und das Zusammenwirken der unterschiedlichen Waffengattungen zeigen. Unsere angehenden Offiziere und Unteroffiziere sollen diese Bilder live sehen und nicht nur in der Theorie im Hörsaal mitbekommen“, erklärt Thomas Lampersberger vom Institut für Offiziersausbildung.

Bei der Übung kommen Lenkwaffen, Panzer, Haubitzen und Granatwerfer genauso zum Einsatz wie Luftfahrzeuge wie der „Black Hawk“, das Transportflugzeug C-130 Hercules, der Düsenflieger Saab 105Ö oder Eurofighter. Demonstriert wird einerseits die Leistungsfähigkeit, andererseits die zerstörerische und (zielgenaue) Wirkung aller modernen Waffen.

Schießbefehl

Die Kritik mancher Bürger, dass die Militärs jährlich viele Millionen bei Übungen „verpulvern“, lassen die obersten Offiziere nicht gelten. Es gehe immerhin um die Ausbildungsqualität der Kadersoldaten. Außerdem sei „die militärische Landesverteidigung eine Aufgabe des Bundesheers, die in der Verfassung niedergeschrieben ist“, erklärt Lampersberger. Dementsprechend müsse sich das Heer vorbereiten, um diese Aufgabe, wenn nötig, erfolgreich erfüllen zu können. Bestand die Truppe bis 1990 aus 300.000 Soldaten, gehören jetzt nur noch 50.000 zur einsatzbereiten Mannschaft.