Chronik | Niederösterreich
13.07.2018

Waldviertel: Lockmittel gegen Ärztemangel

In den ländlichen Krankenhäusern fehlen viele Jungärzte, Workshops und Ausflüge als Anreize.

Mediziner sind Mangelware. Laut Zahlen der Ärztekammer Niederösterreich gingen im Vorjahr 48 Spitalsärzte in Rente. Aufgrund der anhaltenden Pensionswelle ist keine Entwarnung in Sicht. 2025 werden fast doppelt so viele angestellte Mediziner ihren Ruhestand antreten.

Während die Situation in den urbanen Krankenhäusern noch etwas entspannter ist, spitzt sich der Medizinermangel auf dem Land weiter zu. Daher wäre eine größere Zahl an Studienplätzen wichtig, meint Manfred Weissinger, ärztlicher Leiter der drei Landeskliniken Gmünd, Waidhofen an der Thaya und Zwettl: „Die Ärzte, die heute fertig werden, haben quasi alle Türen in ganz Österreich, aber auch in Deutschland oder in der Schweiz offen, weil sie bitter gebraucht werden. Gerade wir in der Peripherie müssen uns um sie besonders bemühen.“

Wartezeiten

Um Ausbildungsstellen schon jetzt schneller nachbesetzen und die Wartezeiten in den Spitälern verkürzen zu können, organisiert Weissinger mit der Klinikenholding die „Med-Summer-School“ in Zwettl. Zwei Tage lang stehen medizinische Lehrgänge wie ein Nähkurs an Schweinsrüsseln, Endoskopietraining an einem Phantom, ein Gipskurs und Reanimationstraining genauso auf dem Programm wie mehrere Besichtigungstouren im Landesklinikum und in der Stadt Zwettl sowie eine Bierverkostung in einem Restaurant. Weissingers Idee dahinter: „Wir wollen den Studenten die vielen Schönheiten der Region zeigen und ihnen vorstellen, was die Medizin hier im Waldviertel leistet.“

Optionen

Heuer sind mehr als 20 Medizinstudenten angemeldet. Als Landarzt zu arbeiten, ist für viele keine oder eine Option für später. „Ich kann mir das vorstellen, wobei ich zuerst in ein Spital will, um viel erlernen zu können“, sagt Marcel de Vries aus Vorarlberg. Auch Viktoria Schneeweiß aus St. Pölten sieht das ähnlich: „Später möchte ich auf das Land ziehen und eine Ordination betreiben.“