Verwirrung um Wildbestand

Seit zwei Jahren wollen die Bundesforste den Militärwald begutachtet haben. Unklar ist, wie sie zu den Daten kamen.

Sparen hin oder her – das Thema ist im Nervenkrieg um die Zukunft der Heeresforstverwaltung am Truppenübungsplatz Allentsteig nur mehr eine Randnotiz. Dafür rückt ein anderes ins Zentrum der Debatte. Im Ausgliederungsmatch – made by Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) – wird immer öfter das Wort „Jagd“ in den Mund genommen. Der Sprecher der Bundesforste informierte die APA bereits darüber, was seine Firma mit dem lukrativen Abschussgeschäft vorhat, wenn sie den Zuschlag bekommt. Doch alles andere als dieser Deal wäre eine Überraschung. Denn Darabos’ Vorliebe für die Bundesforste gilt als offenes Geheimnis.

Seit zwei Jahren verweigert der Minister den Betroffenen der Heeresforste Gespräche, um den Forstbetrieb wirtschaftlich zu verbessern. Stattdessen begutachten die Bundesforste seit 24 Monaten die 7000 Hektar großen Militärwälder, berichtet der Firmensprecher Bernhard Schragl der APA. Die Jagd werde „an einen Dritten verpachtet“, sei jedoch nie zentrales Thema gewesen. Kolportierte Absprachen mit dem künftigen Landesjägermeister Josef Pröll bestreitet Schragl. Er kommt aber zu dem Schluss, dass der Wildstand in Allentsteig viel zu hoch sei. Dieser zerstöre sowohl den Wald als auch mehrere Felder.

 

Behörde

Mit seiner Aussage sorgt Schragl bei der Bezirksforstbehörde für Verwunderung. „Ich weiß nicht, woher die Bundesforste ihre Zahlen haben. Zuletzt hat es viele Abschüsse gegeben. Die Unterlagen haben die Heeresforste“, erklärt der Zwettler Bezirkshauptmann Michael Widermann. Gerade auf dem Truppenübungsplatz sei die Bezirksforstbehörde dahinter, für den rechtlich vorgeschriebenen Wildstand zu sorgen. Er bestätigt zwar, dass es kurzfristig Probleme gegeben habe. Inzwischen wurde ein „erschreckend niedriger“ Wildbestand gezählt, hört man von den Heeresforsten.

Eine Frage bleibt: Woher haben die Bundesforste ihre Informationen? Die Antwort bliebt Schragl dem KURIER schuldig. Eigene Vorort-Erhebungen sind laut Auskunft des TÜPL-Kommandos ausgeschlossen, weil die Bundesforste in den vergangenen zwei Jahren keine diesbezügliche Zutrittserlaubnis für das Sperrgebiet hatten.

Ministersprecher Michael Bauer versichert, dass keine Daten über das „Projekt Allentsteig“ herausgegeben wurden. „Die Bundesforste werden mit den Landwirten gesprochen haben“, glaubt Bauer. Bauernvertreter Dietmar Hipp erklärt, dass er mit Darabos’ Vertrautem Leopold Dotter explizit über ein Wildproblem gesprochen habe. Das ist aber laut der genannten Zählung im Auftrag des Ministeriums kein Thema mehr.

 

( Kurier ) Erstellt am 31.03.2012