Verschollen im "Märchenwald"

Die Dämmerung wurde einem 11-Jährigen zum Verhängnis. Er verlief sich und fand Zuflucht in einem Hochstand.

Es war einer der schönsten Momente in meinem Leben, wenn nicht der Schönste", sagt der 45-jährige Familienvater. Fest drückte er den 11-Jährigen in der Dunkelheit an sich und zog ihn aus dem kalten Hochstand mitten im Märchenwald. Die Suchaktion, die Dienstagabend in Neusiedl an der Zaya angelaufen war, und an der 60 Feuerwehrleute, 15 Polizisten und Dutzende Freiwillige teilnahmen, konnte wieder abgeblasen werden. Der Bub, der seit kurzem einen Herzschrittmacher hat, war in Sicherheit.

1322674801748081.jpg
© Bild: Stefan Straka

Irgendwie fühlte sich der 11-jährige Anton V. (Name von geändert) im Unterricht schwach. "Deshalb wollte er nach Hause", erzählte Schuldirektorin Helga Garber. Der Bub hatte erst vor wenigen Wochen einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen und besuchte erst seit Kurzem wieder die Schule. "Deshalb sind wir sehr vorsichtig", sagte die Direktorin. Also packte Anton seine Schultasche und ging zum Bus. Weil ihm das Gefährt vor der Nase davon fuhr, beschloss der Naturfreak zu Fuß in den Nachbarort Palterndorf zu gehen. Doch zu Hause kam er nicht an. Versuche der Mutter, ihren Buben am Handy zu erreichen, scheiterten. Der Bub irrte inzwischen am Fuße des Steinberges durch die Gegend und vergaß völlig auf die Zeit.

Spaziergänger

Weil die Gegend auch bei Spaziergängern sehr beliebt ist, traf der Bub einen 80-jährigen Pensionisten. "Dem erzählte er auch von seinem Herzschrittmacher und dass er gerne ein Überlebens-Training macht", sagt Grabner. Der Pensionist kehrte in den Ort zurück und rief seinen Schwiegersohn an.

In der Zwischenzeit war es dunkel geworden. Die Eltern alarmierten um 16.50 Uhr die Polizei, die eine große Suchaktion einleitete.

"Ich konnte nicht zu Hause sitzen und bin mit dem Auto dorthin gefahren, wo ihn der Pensionist das letzte Mal gesehen hatte", schildert der Vater. Er wählte mehrmals das Handy des Buben. Plötzlich kam eine Verbindung in dem Funkloch zustande. "Papa mir ist kalt, hol mich bitte ab", sagte der Kleine. Der Vater gab mit der Lichthupe Signale. "Ja ich seh’ sie", bestätigte ihm sein Sohn.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011