Restaurant-Chef Hartmuth Rameder (re.) will mehr Trinkgeld für Mitarbeiter erzielen.

© KURIER/Jürgen Zahrl

Gastronomie
10/18/2016

Trinkgeld-Vorschlag nach Gaumenfreude

Zwei Wachauer Spitzen-Betriebe verrechnen Service-Entgelt / Arbeitnehmer-Vertreter einverstanden.

von Jürgen Zahrl

"Der Rest ist für Sie" – diesen Satz hören Servicemitarbeiter immer gerne. Doch wenn es um die Höhe der Belohnung geht, kann die Freude über das Trinkgeld schnell verfliegen. Weil immer mehr Gäste nicht mehr so tief in die Geldbörse greifen wollen, haben jetzt zwei Gastronomie-Betriebe in der Wachau darauf reagiert. Sie verrechnen automatisch zehn Prozent des Gesamtbetrags als fixes Trinkgeld und ernten dafür Verständnis – aber auch Zweifel, ob das Geld bei den Mitarbeitern ankommt.

Seit 1. September gilt diese inzwischen heiß diskutierte Regelung in der "Hofmeisterei Hirtzberger" in Wösendorf in der Wachau, wie Heute berichtete. "Das Bedauerliche war, dass viele Gäste nur mehr zwei bis drei Prozent Trinkgeld gegeben haben. Wenn wir das auf die Service- und Küchenmitarbeiter aufteilen, ist das relativ wenig", erzählt Hartmuth Rameder, Geschäftsführer des Zwei-Hauben-Restaurants.

Während einer USA-Reise habe er gesehen, wie serviceorientiert die Wirte dort sind, und danach beschlossen, den Aufschlag auch in seinem Betrieb automatisch auf die Rechnung zu schreiben. In seiner Speisekarte werden die Gäste auf den Trinkgeld-Vorschlag hingewiesen. "Es geht um die Wertschätzung der Arbeit von Köchen und Servicekräften", sagt Rameder. Am Ende könne sich der Gast selber entscheiden, ob er das bezahlen will oder nicht.

Obwohl diese Regelung schon seit sieben Wochen in Kraft ist, habe Rameder noch keine Beschwerde erhalten. Er sei überrascht, dass etliche Betriebe nach seinen Erfahrungen gefragt haben. Mittlerweile führte auch das Schlosshotel Dürnstein das System ein.

Neues System

Günter Hager, Szenewirt in Linz, beglückwünscht Rameder zu seinem Schritt: "Ich hab’ mir das amerikanische System auch schon durchgerechnet, aber das kann man in einem Gourmet-Restaurant leichter umsetzen als in einem Bierlokal." Mario Pulker, Bundesobmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer, sieht das ähnlich: Da sein Betrieb sehr touristisch orientiert sei, lasse er "lieber die Gäste entscheiden, was sie geben wollen". Prinzipiell wisse jeder Wirt am besten, wie seine Kunden darauf reagieren: "Wenn sie das fixe Trinkgeld akzeptieren, warum nicht?", sagt Pulker.

Die Arbeitnehmer-Vertreter sehen das nur dann positiv, wenn das – steuerfreie – Trinkgeld tatsächlich bei den Bediensteten ankommt. Einerseits müsse für den Konsumenten klar erkennbar sein, dass das Service-Entgelt automatisch zur Rechnung addiert wird, andererseits werde damit "der Einsatz der Angestellten honoriert, die sich dafür auch den vollen Anteil verdient haben", sagt Horst Pammer, Vizepräsident der Arbeiterkammer NÖ. In dasselbe Horn stößt auch Andreas Gollner, Sekretär der Fachgruppe Tourismus in der "vida"-Gewerkschaft: "Das entbindet die Gastronomie aber nicht davon, faire Löhne zu zahlen. Hier gibt es noch genügend Luft nach oben."

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