Seit Jahren ist Fußball-Ikone Toni Polster Stammgast im Nikodemus – eigentlich das „Musikerlokal im Wienerwald“

© Kurier/Gerhard Deutsch (2)

Nikodemus
10/18/2015

Treffpunkt NÖ: Oberkellner mit goldenem Schuh

Niki Neunteufel entdeckte bei seinem Stammgast Toni Polster ungeahnte Talente.

von Peter Gruber

Lachen vom Eingang her beendet die Nikodemus-Führung, mit der Niki Neunteufel das kurze Warten auf Toni Polster überbrückt. Auch zwei Räume weiter ist es unverkennbar. "Er ist da", lächelt Neunteufel.

Seit 25 Jahren betreibt Neunteufel das Nikodemus auf dem Purkersdorfer Hauptplatz. Mit Wolfgang Ambros hatte er 1990 die Idee vom "Musikerlokal im Wienerwald" für den damaligen Ballsaal der elterlichen Gastwirtschaft. Hunderte Konzerte ist das her – im kleinen Rahmen drinnen und mit Tausenden Zuschauern beim sommerlichen Open Air. Falco war da, Reggae-Ikone Jimmy Cliff, zuletzt Italo-Star Umberto Tozzi.

"Zuerst denkt man hier natürlich an Musik", meint Toni Polster und lacht: "Aber der Wolfgang Ambros ist in Tirol, der Rainhard Fendrich hat heute wahrscheinlich keine Zeit – jetzt bin halt ich da."

Auch Österreichs Rekordtorschütze hat im Nikodemus eine CD präsentiert. Zum goldenen Schuh kamen aber keine goldenen Platten. Zu Neunteufels liebsten Besuchern zählt er trotzdem – egal ob nur als Gast oder als Promi bei Charity-Aktionen. "Toni hat die liebenswürdige Art und absolute Handschlagqualität. Der hält, wie man auf Wienerisch sagt." Bei der Seitenblicke-Nighttour für Licht ins Dunkel, bei der Prominente im Nikodemus servieren, habe er sogar Talent als Oberkellner offenbart. "Endlich hat einer die richtige Position für mich gefunden", lacht Polster.

Kleine Fußballbühne

"Fußballlehrer" ist seine aktuelle. In der Wiener Liga trainiert Polster die Viktoria. "Einfach ein geiler Verein; auch mit sehr großem sozialem Engagement", meint er – und der Schmäh weicht heller Begeisterung.

Das Geschehen auf der großen Fußballbühne, die er selbst bespielt hat, verfolgt Polster derzeit nur als Beobachter. Den Erfolgslauf des ehemaligen Kollegen Peter Stöger mit seinem 1. FC Köln etwa. "Die Saison ist zwar noch jung, aber Peter scheint mit der Mannschaft den nächsten Schritt zu gehen. Großartig."

Oder die EM-Qualifikation seiner Nach-Nachfolger im Nationalteam, die der zweifache WM-Teilnehmer am Montag auf der Tribüne bejubelte. "Die Jungs halten zusammen. Es sind Spieler, die sich nicht zufrieden geben und sich enorm entwickelt haben." Dass manche das Team schon im Halbfinale sehen, "ist halt typisch österreichisch. Wir werden jetzt jeden Tag besser, und wenn die EM beginnt, haben wir sie schon gewonnen".

Ziel Bundesliga

Ob er es selbst nach einem sportlich und persönlich enttäuschenden Gastspiel bei der Admira mit nur drei Bundeligaspielen noch einmal ins Licht einer größeren Fußballöffentlichkeit schaffen wird? "Natürlich ist die Bundesliga ein Ziel. Meine Erfolge mit den LASK Juniors und der Viktoria sprechen für sich. Aber ich werde mich sicher nicht dafür verbiegen."

Dann lieber Stadtliga: "Da riecht einfach alles nach ehrlichem Fußball", meint Polster. Er müsse nichts mehr beweisen. Und auch längst nicht mehr auf jedem Society-Kirtag tanzen. Wenn Niki Neunteufel zu Charity-Projekten ins Nikodemus ruft, "werde ich aber sicher kommen."

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