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Chronik Niederösterreich
11/26/2019

Tödliche Hundeattacke: Das sagt der beschuldigte Ausbilder

Die Staatsanwaltschaft überlegt ein DNA-Gutachten. Der Anwalt der Opferfamilie ortet ein "Totalversagen" des Heeres.

von Patrick Wammerl

Du bist gegangen. Zu früh für Dich, zu früh für uns, zu früh für alle, die Dich lieben und jetzt vermissen.

Mit dieser letzten Botschaft verabschiedet sich die Familie von Dominik R. Der 31-jährige Jagdkommando-Soldat wird nach der tödlichen Hundeattacke in der Flugfeldkaserne in Wiener Neustadt diesen Donnerstag im Familiengrab beigesetzt.

Aufgrund der bisherigen Aktenlage ortet der Anwalt der Familie, Erich Gemeiner, in der Sache ein „Totalversagen“ des Bundesheers. Er sieht eine Verantwortung wegen fahrlässiger Tötung des Soldaten gegeben und hat entsprechende Anträge bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt eingebracht.

Dort wartet man derzeit auf den Endbericht der Kriminalpolizei, bestätigt Sprecher Markus Bauer. Danach wird entschieden, ob weitere Gutachten in Auftrag gegeben werden. Beispielsweise ein DNA-Gutachten, das klären soll, ob nur der ältere Diensthund „Hati“ für die tödliche Attacke verantwortlich ist, oder auch der erst sieben Monate alte Malinois (Belgischer Schäferhund) „Ragna“ daran beteiligt war.

Der Welpe wurde wegen seiner mangelnden Angriffslust und einer „Beißhemmung“ für untauglich beschienen und sollte demnächst dem Züchter zurückgegeben werden.

Weil der oberste Diensthundeausbilder am 13. November auf einer Übung in der Steiermark war, brachte er beide Malinois im Zwinger der Kaserne unter und beauftragte seinen Kameraden und Hundeführer, Dominik R., sich um die Tiere zu kümmern.

Weil der Ausbilder es aber verabsäumte, sich die Unterbringung des Privathundes „Ragna“ vom Kommando genehmigen zu lassen, setzte es einen Verweis der Disziplinarkommission. „So schlimm diese Tragödie auch ist, aber das alles hatte null Einfluss auf den eigentlichen Vorfall. Hier wird versucht, ein schuldhaftes Verhalten zu konstruieren. Aber es gibt keines, insbesondere nicht von meinem Mandanten“, sagt der Anwalt des Diensthundeausbilders, Christian Stocker.

„Mache mir Vorwürfe“

Als der für die Hunde verantwortliche Hundeführer wurde sein Mandant von der Polizei offiziell als „Beschuldigter“ vernommen. Dies sei ein Routinevorgang. „Trotz allem mache ich mir schwere Vorwürfe, dass ich vielleicht irgendwelche Anzeichen eines ungewöhnlichen Verhaltens der Hunde nicht erkannt habe“, sagte er in seiner ersten Einvernahme am 14. November.

Dass die Hunde nach dem tödlichen Angriff in der Kaserne frei herumliefen und der Offizier vom Tag (OvT) vor ihnen ins Wachlokal flüchtete, wertet Gemeiner als „Totalversagen des Überwachungs-, Sicherheits- und Schutzsystems“. Nur wenige Meter und ein einfacher Schranken trennten die Hunde von dem öffentlichen Stadtgebiet.

Die Gefahr einer Flucht hätte der Wachsoldat „mit Schüssen auf die Tiere verhindert“, meint dazu Heeressprecher Michael Bauer.

Die Realität sah allerdings ganz anders aus: Wie aus dem Polizeiakt zu entnehmen ist, versteckte sich der Offizier vom Tag zusammen mit dem Wachsoldaten aus Angst vor den beiden Malinois fast eine Stunde lang im Wachzimmer, bis Hilfe kam.

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