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Stiller Notruf der Natur: Rekord an verletzten Wildtieren

Neuer Höchststand in der Betreuung heimischer Wildtiere. Alleine im Mai wurden mehr als 700 Tiere in Vösendorf und Gloggnitz aufgenommen.
Marderbaby wird mit der Flasche gefüttert.

Es sei das erste Mal, dass die Marke von 700 Tieren in einem einzelnen Monat überschritten wurde, heißt es von Tierschutz Austria. 240 davon konnten bereits erfolgreich ausgewildert werden, die übrigen befinden sich in Aufzucht und Pflege.

Gegenüber dem Vormonat April mit rund 350 Tieren hat sich die Aufnahmezahl mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: In früheren Jahren lagen die Saisonzahlen bei 1.800 bis 2.000 Tieren. Im Jahr 2025 waren es schon 5.000.

Mitten in „intensiver Wildtiersaison“

„Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass immer mehr Wildtiere gefährdet und auf Hilfe angewiesen sind. Wir befinden uns derzeit mitten in der intensiven Wildtiersaison, in der vor allem junge Vögel, Eichhörnchen und Rehkitze gerettet werden müssen“, sagt Stephan Scheidl, Leiter der Wildtierhilfe bei Tierschutz Austria.

Verletzte Taube

Verletzte Taube

Viele private Wildtier-Stationen haben aufgegeben

Dass so viele Tiere bei Tierschutz Austria landen, hat mehrere Gründe. Auch den, dass viele private Wildtierstationen dicht gemacht haben, sagt Tierschutz Austria Pressesprecher Martin Aschauer. Denn Wildtierschutz ist in Österreich nicht gesetzlich verankert, informiert Stephan Scheidl.

Die Pflege verletzter oder verlassener Wildtiere liege ausschließlich in Händen privater Initiativen, die es oft irgendwann „finanziell, psychisch und körperlich nicht mehr schaffen“, sagt Scheidl. Denn die Betreuung dieser Tiere sei ein Rund-um-die-Uhr-Job, manche Tierbabys müssten stündlich gefüttert werden. 

„Und ich bin heute so müde, weil ich um drei Uhr früh aufgestanden bin, um mit der Drohne über ein Feld zu fliegen, das gemäht werden sollte.“ Die Besitzer hatten ihn gerufen, um im Gras liegende Rehkitze vor der Mahd aufzuspüren.

Wirklich positiv sei aber, dass das Bewusstsein der Menschen für Tierschutz gestiegen ist: „Ein aus dem Nest gefallener Vogel wurde früher einfach liegengelassen, heute bringen uns die Menschen diese Tiere vorbei.“

Ein Fuchsbaby muss aufgepäppelt werden.

Ein Fuchsbaby muss aufgepäppelt werden.

Ein schönes Beispiel dafür ist jener Jäger, der ein Rehkitz in der Station vorbeigebracht hat, dessen Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Das Tier wird nun in das Tierheim Parndorf gebracht. „Es ist großartig, dass Jäger und Tierschützer Hand in Hand arbeiten, um verwaisten oder verletzten Tieren eine Chance zu geben“, heißt es aus der Wildtierstation.

80 Prozent der Wildtiere sind durch Menschen in Not geraten, sagt Scheidl. Vögel fliegen gegen Scheiben, Igel fallen in Pools, Rehkitze werden bei der Mahd verletzt ... Generell sind Lebensraumverlust, Straßenverkehr, Jagd, Wildtierkriminalität und andere menschliche Einflüsse eine Bedrohung der heimischen Fauna. 

Ein Igel wird ausgewildert

Ein Igel wird ausgewildert

Auswildern statt gewöhnen

Die Wildtierstation Gloggnitz, die zum Tierschutzhaus Austria in Vösendorf gehört, leistet hier einen großen Beitrag zum Artenschutz. Nach Gloggnitz werden die Tiere gebracht, die wieder ausgewildert werden und bei denen gleichzeitig verhindert werden muss, dass sie sich an Menschen gewöhnen - Füchse etwa. „Bei einem Dachs zum Beispiel ist diese Gefahr nicht gegeben, der bleibt wild“, sagt Aschauer.

14 Pfleger und Pflegerinnen arbeiten rund um die Uhr

Aufgrund des starken Anfalls hat Tierschutz Austria das Team an Pflegern und Pflegerinnen aufgestockt: Allein 14 Mitarbeitende kümmern sich derzeit um die Wildtiere, dazu kommen vier Tierärzte. Die Pflege beansprucht viel Zeit, weiß Scheidl. „Ein Igel, der in einen Pool gefallen ist, kann nach zwei Tagen wieder fit sein. Wir hatten aber auch schon einen Igel, der vom Mähroboter erwischt wurde und bei uns Junge bekommen hat, der war natürlich länger hier.“ 

Infos & Spenden: tierschutz-austria.at

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