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Manfred Heher und die Bühne Aschbach: „Man muss ein kleiner Diktator sein“

Seit 28 Jahren leitet Heher die Theatergruppe im Mostviertel. Was ihn heute noch antreibt.
Ein Mann steht auf einer überdachten Theaterbühne mit gelbem Bühnenbild und Blick nach draußen.

Zusammenfassung

  • Manfred Heher leitet die Bühne Aschbach seit 28 Jahren und prägt als Regisseur, Bühnenbauer und Schauspieler das Vereinsleben maßgeblich.
  • Die Theatergruppe feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit dem Stück „Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“, an dem die ganze Familie Heher mitwirkt.
  • Heher legt Wert auf Teamgeist, genaue Vorbereitung und familiäre Atmosphäre, wobei er als „kleiner Diktator“ die Fäden in der Hand hält.

„Aber in 18 Jahr – da nimm i di mit!“ Mit einem diabolischen Lachen schwingt der Boandlkramer seinen schwarzen Umhang über die Schulter und stürmt von der Bühne. Wenig später, mit Schweißperlen auf der Stirn, sitzt Manfred Heher wieder im Publikum. In der rechten Hand das zerlesene Regiebuch, seine Augen folgen jeder Bewegung auf der Bühne. Manchmal murmelt er den Text mit, dann huscht ein Lächeln über seine Lippen. Dann gibt er den Mitgliedern seines Vereines wieder kurze Inputs: „Bitte nicht so laut mit den Stöcken stampfen!“

Seit einem Jahr arbeitet Heher an dem Theaterstück „Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“, feilt an Szenen, Texten, Pointen und dem Bühnenbild. Dafür hat er sich ein Modell aus Pappkarton gebaut. Damit visualisiert er die zweistöckige Bühne im Pfarrhof in Aschbach (Bezirk Amstetten), die zu Jubiläen aufgebaut wird. Auch heuer wieder, denn der Verein feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Familienprojekt

„Oben ist der Himmel und unten das Erdenreich – die Stube vom Brandner Kaspar und der Wald“, erklärt er und zeigt mit dem Finger auf die eingezeichneten Details - beispielsweise das Buchregal im Himmel, das heuer neu von seiner Tochter gemalt wurde.

Hinter der Bühne arbeiten viele Hände mit, besonders jene seiner Familie. Seine Frau lernte er beim Theaterspielen kennen, Schwester und Tochter gestalten nach seinen Entwürfen das Bühnenbild, eine weitere Tochter steht selbst auf der Bühne.

Wert auf Aussprache und Tonfall

Der Verein probt bereits seit drei Monaten, dreimal pro Woche. Für Heher haben die Vorbereitungen schon früher angefangen. „Vor der ersten Probe hab ich das Stück schon im Kopf“, sagt Heher und tippt sich an die Stirn. Er hat einen genauen Plan, wie das Stück am Ende werden soll, schreibt Texte um und kennt die Rollen bis ins Detail.

Die Schauspieler müssen vor der ersten Probe den Text nicht auswendig können. „Das möchte ich gar nicht – da lernt man’s nur falsch ein“, erklärt er. Er legt viel Wert auf Aussprache und Tonfall, denn wenn das passt, passe meist auch die Mimik. „Oft zeig ich auch vor, wie ich es mir vorstelle.“

Zwei Männer stehen vor einer Bühne.

Zwei Männer spielen auf einer Bühne Theater.

Gruppenfoto der Theatergruppe vor dem Bühnenbild von „Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“.

Übernahme 1998

Dass Heher jede Szene so genau im Blick hat, kommt nicht von ungefähr. Seit er die Theatergruppe im Jahr 1998 übernahm, ist er aus der Bühne Aschbach kaum wegzudenken. Ob Regie, Bühnenbau oder Schauspiel – der Mann für alles lebt fürs Theater. „Jetzt bin ich in der Pension, jetzt hab ich viel Zeit“, lächelt er.

Die Bühne Aschbach ist längst mehr als ein Theaterverein. Für viele im Ort ist sie Treffpunkt, Tradition und Bühne für Generationen – rund 40 Mitglieder zählt der Verein, etwa 25 wirken im aktuellen Stück mit. Manche standen hier als Kinder erstmals im Rampenlicht und kehren Jahre später oft mit eigenen Kindern zurück.

Nach der Aufführung steht Heher lieber im Hintergrund, auch wenn er die Fäden in der Hand behält. „Mein Erfolg ist gegeben, wenn die Spieler Spaß und Erfolg haben“, sagt er. Trotz des organisatorischen Aufwands scheint Heher dabei nie die Freude am Theater verloren zu haben. Warum er das macht? „Ich mag, wie die Menschen im Theater abschalten können und Freude haben.“ Nicht zuletzt geht es auch um gemeinsame Erinnerungen.

Ein wilder Haufen

Er blättert in einem Fotoalbum, das seine Tochter Anna ihm gemacht hat. Darin finden sich Bilder der letzten Aufführung des „Brandner Kaspar“ vor 10 Jahren. „So ein wilder Haufen“, schmunzelt er. Und doch er würde es nicht anders haben wollen. Oft sei es jedoch nicht leicht, eine Gruppe dieser Größe zusammenzuhalten. „Man muss ein kleiner Diktator sein“, sagt er und lächelt. Was er anschafft, das gilt. Doch es wirkt nicht so, als hätte jemand ein Problem damit.

Wie viel Liebe in den einzelnen Produktionen steckt, merkt man im Detail. In der Stube des Brandner Kaspar hat die Hochzeitsuhr der Hehers einen Platz gefunden. „Da gefällt sie mir am besten“, sagt Heher lächelnd. 

Wer den „Brandner Kaspar und das ewige Leben“ selbst erleben möchte, hat noch Gelegenheit dazu: Für die kommenden Aufführungen sind noch Karten erhältlich. Am 29. Mai feiert die Bühne Aschbach Premiere.

Weitere Infos unter www.bühne-aschbach.at.

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