Talente-Schmied Norberto Bertassi fördert junge Künstler

Er wollte Schauspieler werden und war am Weg zum Musical-Star. Eine Krankheit zwang Norberto Bertassi zum Umdenken – und führte zur Gründung der Theatergruppe teatro. Heute verhilft er anderen zu Ruhm.
Norberto Bertassi

Es war eine Erkrankung, die teatro-Intendant und Regisseur Norberto Bertassi zur Neuorientierung zwang. Ein herber Rückschlag, der aus Bertassi dem Schauspieler, Bertassi den Sinnsuchenden machte. Und ihn schließlich zu einem der größten Talenteförderer des Landes machte. Zehntausende Kinder hat er für Musiktheater und Gesang begeistert, Tausende gemeinsam mit Profis auf die Bühne gebracht und nicht wenigen zu Ruhm verholfen.

Doch eigentlich war alles anders geplant. 1992 wähnte sich Bertassi am Ziel seiner Träume: Er stand als Musicaldarsteller auf der Bühne des Theaters an der Wien. „Ich wurde bei Elisabeth engagiert. Ich war Rudolfs Zweitbesetzung. Ich war der zweite Rudolf, der jemals Rudolf gespielt hat“, erinnert er sich.

Kurz zuvor hatte er seinen Traum, Filmschauspieler zu werden, an den Nagel gehängt. Als er 1988 in der Zeitung von der Audition zum Musical „Les Miserables“ in Wien las, beschloss er, Musiktheater eine Chance zu geben. Bertassi wurde gecastet und entdeckte seine Liebe zum Musical. „Das war so ein Wow-Effekt, dass ich nur noch Musiktheater machen wollte.“

Doch bei seinem Engagement für Elisabeth wurde Bertassi krank. Asthma. Er habe den Staub über der Bühne gesehen und gewusst, dass er seine Karriere beenden müsse. Doch die Kunst aufzugeben kam für den studierten Wirtschaftswissenschaftler nicht infrage. Er studierte Jazz-Komposition am Schubert-Konservatorium Wien.

46-223926458

Schauspielstudent Bertassi mit Mary Harper in New York.

Erste Schritte

Zur Erholung verbrachte Bertassi in den 90ern gerne Zeit am Wechsel. Irgendwann reifte in ihm die Idee, dort ein Kulturzentrum zu etablieren. „Das Haus von Anton Wildgans stand leer. Dort wollte ich ,Die wilde Gans‘ machen.“ Doch das Projekt scheiterte. Schließlich kam ihm Franz Prenner vom Bio-Bauernhof Prenner in Mariensee (Bezirk Neunkirchen) – wo Bertassi wohnte – entgegen und überließ ihm den Innenhof für sein erstes Stück: „Die tote Tante“ von Kurt Götz. Und es war auch Prenner, der Bertassi auf die zündende Idee brachte. „Er hat gemeint, da müssen zehn Kinder mitspielen.“

So war es auch. Die Dorfkinder reüssierten. „Es hat voll eingeschlagen. Die ganze Gegend ist Theaterschauen gegangen.“ Die Idee, Kinder und Nachwuchs für das Theater zu begeistern, habe dort begonnen, sagt Bertassi. Es wurde seine Herzensangelegenheit. Seiher inszeniert der heute 69-Jährige Stücke, die junge Menschen mit Profis und Schauspielstudenten auf die Bühne bringen.

Verlust

Dabei wäre beinahe alles anders gekommen. Bertassi wurde 1956 im italienischen Udine geboren. Als er elf Jahre alt war, starb sein Vater, mit dem er eine sehr enge Beziehung hatte. „Das hat mein Leben verändert“, sagt der Künstler Noch heute fällt es ihm schwer, darüber zu sprechen. „Meine ganze Italienica habe ich von ihm“. Seine Mutter zog wenig später mit ihm und seiner Schwester zurück nach Wien. 

Dort besuchte er, der kein Wort Deutsch sprach, ein Internat. Innerhalb eines Jahres lernte er die Sprache. In den 70er-Jahren studierte Bertassi Handelswissenschaften. Das habe er seiner Mutter versprochen gehabt, erzählt er. Doch etwas fehlte. Kreativ, sagt Bertassi, sei er immer schon gewesen. Während des Studiums nahm er Unterricht in Jazz-Dance. Tanzte in den Wiener Szene-Lokalen wie dem Monte neben Promis wie Frank Zappa.

46-223926460

„Großes komödiantisches Talent“: Bertassi mit Moritz Mausser  in „Heidi“ im Jahr 2019.

Selbstfindung

Nach dem Studienabschluss 1982 sei er zwei Jahre lang auf Selbstfindung gegangen, erzählt Bertassi. So unterrichtete er Jazz-Dance im Studio von Margit Manhardt und lehrte nach eigenen Angaben etwa Andrea Händler das Tanzen. Schließlich besuchte er zwei Musical-Kurse von Ikone Susi Nicoletti. „Da war dann klar, dass ich Schauspieler werden will.“ Dort lernte Bertassi mit Stars wie Werner Sobotka und Ute Lemper. Und er traf seine damalige Freundin, Musical-Star Mary Harper, mit der er nach New York auswanderte, um am Herbert Berghof Studio Schauspiel zu studieren. „Das war eine wunderschöne Zeit“, erinnert sich Bertassi. Man habe die Kreativität in der Luft gespürt.

1987 kam er zurück und lernte bei den Vereinigten Bühnen Wien seine heutigen Partner, Komponist Walter Lochmann und Schauspieler Peter Faerber, kennen. 1999 folgte dann die Gründung des teatro, das seit 2011 in Mödling beheimatet ist. Privat heiratete Bertassi und bekam selbst zwei Kinder, die künstlerisch talentiert sind.

Star-Macher

Ein Engagement bei teatro interessierte von Beginn an heutige Größen wie Michael Pink oder Lilian Klebow. Viele seiner Schützlinge studieren nun am MUK. Nicholas Vinzenz etwa reüssierte 2025 als Toni in der West Side Story, Florine Schnitzel als Maria Josepha in Maria Theresia und Moritz Mausser als Falco und Friedrich in Maria Theresia. Bertassis Tochter studiert Regie in Hamburg. Als Star-Macher sieht er sich nicht. „Das ist ein zu großes Wort. Ich sehe mich als jemand, der jungen Talenten hilft, zu zeigen, was sie können.“

Kommentare