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Pleite von zwei Studentenheimen: Auch Abrechnung mit der Politik

129 Wohnungen in Wiener Neustadt als Angebot für FH-Studenten. Geschäftsführer Patrick Volkert nennt die Gründe für die Insolvenz.
Bei der Eröffnung der Studentenheime 2020: Die beiden AREA-Geschäftsführer Markus Haiden und Patrick Volkert mit Bürgermeister Klaus Schneeberger und Stadtrat Philipp Gruber.

Mit 4.500 inskribierten FH-Studenten in Wiener Neustadt ist der Wohnbedarf für Studierende in der Region beachtlich. Dementsprechend groß war die Überraschung, als diese Woche bekannt wurde, dass zwei bekannte Studentenheime in die Insolvenz geschlittert sind.

Mit der Campus Residence Ungargasse und der Grünangergasse wurden 2019/2020 alte Wohnkomplexe aufwendig saniert. So entstanden 129 voll möblierte Appartements. Aber schon mit der Corona-Pandemie erfuhr das Konzept einen Dämpfer, sagt Geschäftsführer Patrick Volkert gegenüber dem KURIER.

Durch die Covid-Beschränkungen sei die Fachhochschule 2019/2020 auf Online-Unterricht umgestellt worden. Man habe die Programme für ausländische Studenten eingestellt. „In dieser Zeit kam es zu sehr großen Einnahmenausfällen von über einer Million Euro“, so Volkert.

Teure Klage

Verlustersatz gab es nicht, weil die Firmen knapp vor dem Stichtag gegründet wurden. Bei der nötigen Umschuldung sei der günstige Fixzins verloren gegangen. In weiterer Folge sind Zinsen und Betriebskosten stark gestiegen. Besonders schmerzlich: Ein an der FH tätiger Rechtsanwalt und Lektor habe gemeinsam mit Studenten auf Mietzinsminderung geklagt. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, habe aber bereits sehr viel gekostet.

Vollauslastung

Die Auslastung der Appartements sei „sehr gut, es gibt eine Vollauslastung“. Aufgrund des nach sämtlichen Kosten und der Finanzierung leicht negativen Cashflows habe man ein Immo-Gutachten erstellen lassen. Dieses ergab einen Immobilienwert, der unter den finanziellen Verpflichtungen lag, was insolvenzrechtlich zu einer Überschuldung führte. „Zahlungsunfähig sind die Gesellschaften bei weitem nicht, es gibt Liquidität von über einer halben Million Euro“, sagt Volkert. Die Passiva im Insolvenzverfahren betragen nach Angaben von Creditreform und AKV Europa in Summe mehr als zehn Millionen Euro. Betroffen sind in beiden Gesellschaften elf bzw. zehn Gläubiger und insgesamt fünf Dienstnehmer. Eine Fortführung ist aber geplant.

Die Vermietung an Studierende soll eingestellt und die Objekte sollen künftig ausschließlich über Kurzzeitvermietung betrieben werden. Das Geschäftsmodell selbst stellt Volkert aufgrund der herrschenden Rechtslage in Frage. „Letztendlich sind alle Gesellschafter sehr erfolgreiche Unternehmer, die sich künftig auf weniger von der Politik ruinierte Märkte konzentrieren werden“, so der Seitenhieb auf die Politik, von der man enttäuscht sei. Wie Volkert erklärt, habe man bereits vor über einem Jahr sowohl bei der Stadt als auch beim Land NÖ um die Möglichkeit einer Förderung oder günstigeren Finanzierung angesucht, sei aber mit Verweis auf die „leeren Staatskassen“ vertröstet worden.

Man hofft, dass im Zuge des Insolvenzverfahrens die Bank den Sanierungsplan annimmt, damit ein Fortbetrieb ermöglicht wird.

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