Chronik | Niederösterreich
25.03.2018

Stress in der Ostereier-Fabrik

Ein Besuch bei Unternehmer Martin Schrall, der jährlich zwölf Millionen Eier färbt

Schlaf“, sagt Martin Schrall und blickt sich in der Produktionshalle um, „was soll das sein? Kenne ich nicht.“ Die Maschinen laufen auf Hochbetrieb, der Chef auch, für den Unternehmer aus Diendorf im Bezirk Tulln ist die wichtigste Zeit des Jahres angebrochen. Da gibt es nicht viele Pausen, Tag und Nacht herrscht hier nun hektische Betriebsamkeit.

Zwölf Millionen Eier werden pro Jahr im Betrieb der Familie Schrall gefärbt, sechs Millionen sind es alleine in den Wochen vor Ostern. Rund 50 Prozent der Eier kommen aus Eigenproduktion, in Blickweite zur Färberei sind in großen Hallen rund 130.000 Hühner untergebracht. Der Rest wird von Landwirten zugekauft.

Wasserbad

Der Vorgang der Färbung ist seit vielen Jahren unverändert geblieben. Zuerst werden die Eier auf einem Band durch Dampf befördert, dann in einem Wasserbad gekocht.

„Wenn die Schale dann lackiert wird, hat sie eine Temperatur und von zirka 70 Grad“, erklärt Schrall. Einerseits sind die Eier dadurch hundertprozentig frei von Salmonellen, andererseits kann so die Brüchigkeit verhindert werden. Dann geht es weiter zu den Färbemaschinen, mittels Düsen wird die Farbe aufgetragen. Klar, da gibt es einerseits die Klassiker wie rot, grün oder auch blau, aber immer öfter werden auch andere Variationen angefragt. „Alles kein Problem. Die Farbpalette, die wir anbieten, ist groß“, sagt der 29-Jährige. Derzeit seien zum Beispiel golden gefärbte Eier sehr gefragt.

Die wichtigsten Abnehmer für den Niederösterreicher sind die heimischen Handelsriesen, Bestellungen werden aber auch von Einzelpersonen entgegengenommen. „Hier stehen schon die Paletten für eine Motorrad-Firma bereit. Auch jene, die eine politische Partei bestellt hat, müssen nur noch abgeholt werden.“

Und der Bedarf ist groß: Zu Ostern werden in Österreich mehr als 70 Millionen Eier gekauft, davon sind 50 Millionen schon vorgekocht und gefärbt. Insgesamt werden hierzulande jährlich 1,8 Milliarden Eier produziert.

Engpass

Laut Schrall könnte es in der heurigen Karwoche allerdings zu einem Ostereier-Engpass in den Geschäfte kommen. Schuld daran sei der Fipronil-Skandal, der im Sommer 2017 für Schlagzeilen sorgte ( siehe Kasten ).

Allein in der Europäischen Union wurden in 24 Ländern Eier entdeckt, die mit dem Insektengift verunreinigt waren. Aber auch Nicht-EU-Staaten waren betroffen. „Man wird sehen“, sagt der Unternehmer, „aber das Angebot könnte sich schon verringern.“

Ganz so dramatisch sieht man die Situation bei der Österreichischen Frischeier Erzeugungsgemeinschaft allerdings nicht. „Es ist möglich, dass weniger gefärbte Eier aus heimischer Produktion in den Geschäften zu finden sind, weil heuer mehr ins Ausland geliefert wird. Aber grundsätzlich kann man beruhigt sein: Jeder, der Ostereier kaufen will, wird auch welche bekommen“, betont Geschäftsführer Benjamin Guggenberger.

Schrall muss nun aber wieder weiter. Schließlich ist er der echte Lieferant für den Osterhasen. Und der will in einer Woche Groß und Klein auf keinen Fall enttäuschen. Mehr zu Ostereier-Trends finden Sie in „Mein Sonntag“