© Katharina Zach

Chronik Niederösterreich
10/30/2019

Streit um Geld nach Bauschäden: Vertrag ungültig?

2009 brach das Haus der Familie Hanauer entzwei. Der Bauträger ging in Konkurs, die Versicherung will nicht zahlen.

von Katharina Zach

„Wir kämpfen um unsere Existenz“, sagt Paul Hannauer. Die Familie aus Wiener Neudorf, NÖ, ist am Ende ihrer Kräfte.

Seit zehn Jahren kämpfen der 90-jährige Paul Hannauer, seine Frau Helene und ihr Sohn um Schadenersatz und um ihr Recht. Letzteres haben sie bekommen, dennoch könnten sie leer ausgehen. Heute beschäftigt ihr Fall wieder das Gericht. Mittlerweile haben sie mehr als 140.000 Euro in den Rechtsstreit gesteckt.

Begonnen hat der Albtraum am 9. November 2009. Da wurde das Wand an Wand errichtete Nachbargebäude abgerissen, um eine Tiefgarage für ein neues Mehrparteienhaus auszuheben. Doch dabei brach das 160 Jahre alte, aber gepflegte Fuhrwerkshaus der Hannauers buchstäblich entzwei. Zentimeterdicke Sprünge entstanden, es bestand Einsturzgefahr. Die folgende Sanierung wurde laut den Hannauers nur unzureichend durchgeführt. Seit 2011 prozessiert die Familie um eine Entschädigung – zuerst mit dem Bauträger.

2018 hat die Familie hier den Rechtsstreit letztinstanzlich gewonnen. Knappe 200.000 Euro Schadenersatz, Verfahrenskosten und Zinsen wurden ihnen zugesprochen. „Wir haben alles gewonnen, aber die Firma ist in Konkurs gegangen“, erzählt Hannauer. Die Familie erhielt nur eine minimale Summe. Auch die Versicherung der Firma will die Leistungen aus dem Vertrag nicht zahlen – was nun das Gericht beschäftigt.

Klausel

Doch ob die Familie auch hier gewinnt, ist unklar. Denn die Grawe steht auf dem Standpunkt, dass der Versicherungsvertrag über 1,5 Millionen Euro des Bauträgers ungültig ist. Konkret soll dieser eine Bauträgerhaftplichtversicherung abgeschlossen haben. Bei dieser sieht eine Klausel vor, dass die Bauüberwachung nicht durch den Bauträger ausgeübt werden darf. Genau das war aber der Fall. Ein Verstoß gegen den Vertrag, wie die Grawe nun meint. Letztendlich könnten die Hannauers also wegen eines Fehlers des Bauträgers durch die Finger schauen. Was die Familie nicht verstehen kann. „Keine Versicherung? Ich meine, ich hab die Polizze gesehen“, ist Helene Hannauer fassungslos.

Dazu kommt laut dem Anwalt der Familie, Sacha Pajor, dass die Versicherung im Wissen von der Personalunion aus Bauträger und Bauaufsicht trotzdem 254.000 Euro – zum überwiegenden Teil an den Bauträger – ausbezahlt hat.

Später jedoch regressierte die Grawe bei dem Firmenchef und anderen beteiligten Firmen. Schließlich wurde ein Vergleich geschlossen, bei dem die Betroffenen mit der Grawe einen Deckungsverzicht aushandelten. Sprich, künftig können keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Schadenersatz-Verfahren der Hannauers bereits lief und der Grawe bekannt war. Infos darüber erhielt die Familie damals nicht. Nähere Auskünfte will man bei der Grawe zu Causa derzeit nicht geben.

Laut Anwalt Pajor sei so ein Verzicht zulasten der Hannauers jedoch ungültig. Auch die Behauptung der Grawe, dass die Ansprüche der Hannauers verjährt seien, treffen laut Pajor nicht zu. Was die Hannauers weiter erzürnt: Der Anwalt der Versicherung habe dem Gericht mitgeteilt, dass ihr Schaden mit den einst ausbezahlten 254.000 Euro für die Sanierung ihres Hauses und der weiteren Absicherung der Nachbarbaustelle umfassend abgegolten worden sei. Das sieht die Familie anders, bei deren Eigenheim vom Gericht auch eine Wertminderung festgestellt worden war.

„Letztendlich geht es darum: Gibt es Gesetze oder nicht“, sagt Helene Hannauer.

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