Die Belegschaft streikt geschlossen. Man hofft immer noch auf ein Einlenken des Vorstands – trotz der Drohunge.

© Willy Kraus

Chronik Niederösterreich
02/06/2014

Streik bei KBA-Mödling: Vorstand droht mit Entlassungen

Mitarbeiter, die streiken, würden mit "gesamten Vermögen haften".

Jetzt ist unsere Geduld zu Ende. Wir haben es satt“, macht Alois Trobollowitsch, Arbeiter-Betriebsratschef, seinem Ärger Luft. Seit Donnerstag, 13.30 Uhr, steht beim Druckmaschinenhersteller KBA Mödling die Arbeit still. Nachdem es bei zahlreichen Verhandlungen zwischen Belegschaftsvertretern und Management zu keiner Einigung bezüglich der Zukunft des Mödlinger Standortes gab, wurde bei einer Betriebsversammlung einstimmig ein unbefristeter Streik beschlossen. Daraufhin wurde den Mitarbeitern prompt mit Entlassung und persönlicher Haftung gedroht.

Wie berichtet, will der Würzburger Mutterkonzern Koenig & Bauer AG noch heuer 460 der 750 Stellen einsparen. Der Standort Ternitz mit rund 60 Mitarbeitern soll geschlossen werden. Als Gegenentwurf zu diesem Restrukturierungsplan hatte die Belegschaftsvertretung ein eigenes Konzept ausgearbeitet, das dem Vorstand am Dienstag übergeben wurde. Dieses wurde nun abgelehnt.

Bei KBA Mödling sei die Solidarität hoch, lässt Trobollowitsch wissen. Der Inhalt eines Info-Aushanges, wonach Mitarbeitern die Entlassung drohe und sie mit ihrem gesamten Vermögen für Schäden des Streiks haften, sei rechtlich nicht haltbar und eine übliche Drohgebärde. „Die Belegschaft war davon unbeeindruckt und sogar noch motivierter“, sagt AKNÖ-Chef Markus Wieser. Eine derartige Vorgehensweise habe er aber noch nie erlebt, empört er sich. „Streik ist ein Menschenrecht.“ Mitarbeiter so unter Druck zu setzen, sei inakzeptabel.

Bei der Koenig & Bauer AG spricht man lieber von Sorgfaltspflicht des Vorstandes gegenüber den Mitarbeitern. Da es in Österreich kein Streikrecht gäbe, müsse man die Leute über mögliche Folgen des Streiks informieren, erklärt Konzernsprecher Klaus Schmidt. Das Konzept der Belegschaft habe abgelehnt werden müssen, da es das Ziel der konzernweiten Restrukturierungen – die Sicherung der Profitabilität – gefährde.

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