Stockeraus „rotes Erbe“ wird auf Vordermann gebracht
„Dafür wirds nachher richtig fein!“, sagt die Bewohnerin – und nimmt die Baustelle vor ihrer Wohnungstür mit einem Lachen hin. Der Gang ist auf einer Seite mit einem Absperrband unzugänglich gemacht worden, in einer Nische stapeln sich Baumaterialien.
Dafür hat der neue Lift schon eine glänzende Stahltür bekommen – ein Luxus, den die Bewohnerinnen und Bewohner des Europahofs in Stockerau bisher nicht kannten. Und bald wird gar nichts mehr in dem Gebäude daran erinnern, dass es aus den späten 50er-Jahren stammt – im Juli soll die Sanierung des Gemeindebaus abgeschlossen sein.
Sanieren, sanieren, sanieren
„Wir haben vieles an Erfahrung gewonnen“, schildert ÖVP-Finanzstadtrat Gerhard Dummer. Denn der Europahof ist bereits der zweite große Gemeindebau in Stockerau, der von Grund auf saniert wird. Insgesamt gehören der Stadt 17 klassische Gemeindebauten, die noch aus dem „roten Stockerau“ stammen.
Seit 2019 hat die ÖVP in der Stadt die politische Oberhand – und damit auch die Verantwortung für die bis zu 100 Jahre alten Gebäude, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen.
„Wir haben den Kanal neu gemacht, den Keller tiefergelegt und das Fundament stabilisiert. Dieses Haus haut nichts mehr um“, schildert Dummer die bisherigen Arbeiten, während er durch die Kellerräume führt. In einer Ecke findet sich ein Metallkasten, der einen entscheidenden Unterschied macht: Der Europahof wurde nämlich an das Fernwärmenetz angeschlossen. Geheizt wird nun deutlich billiger – was für die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnbaus keine Lappalie ist.
"Wir haben eine soziale Verantwortung für alle jene, für die der Markt sonst keine Wohnungen bietet."
ÖVP
„In unseren Wohnungen leben Menschen, die sich eine Wohnung sonst nicht leisten könnten. Es geht vor allem um Ältere und Familien“, weiß Dummer. Für ihn sei von Anfang an klar gewesen, dass der politische Wechsel in der Stadt nicht bedeutet, dass man auf gemeinnützigen Wohnbau verzichten wird. Im Gegenteil; für die Sanierung der Gebäude sind Millionenbeträge veranschlagt, ohne sich das Geld über die Miete wieder hereinholen zu können. Und sogar ein Neubau wäre für Dummer denkbar.
Platz für Singles und Familien
„Aber nicht weil wir mehr Wohnungen brauchen. Wir würden beim aktuellen Bedarf mit weniger auskommen“, erklärt er. Das Problem sei viel eher die Struktur der rund 750 Wohnungen, die die Stadt für einkommensschwache Menschen bietet, die seit mindestens zwei Jahren in Stockerau wohnen oder arbeiten. „Wir benötigen mehr Singlewohnungen und mehr Wohnungen, in denen Familien leben können. Deshalb denken wir über einen Neubau nach.“
Passende Grundstücke hätte die Gemeinde. Und auch ein Verkauf von Gebäuden ist für Dummer nicht ausgeschlossen; denn nicht alle Häuser können noch gerettet werden. Dafür haben sie aber eine zentrale Lage, was im Speckgürtel rund um Wien Gold wert ist – und Mittel für Sanierungen brächte.
Stockerau will nicht Wiener Neustadt sein
Doch auch wenn das Geld lockt: Ein Veräußerung wie in Wiener Neustadt kommt für ihn nicht infrage. „Die wurden dort quasi mit ihren Bewohnern verkauft. Die Gefahr besteht, dass der neue Eigentümer sie loswerden will.“ Dummer sieht die Stadt hier in einer sozialen Verantwortung, „für alle jene, für die der Markt sonst keine Wohnungen bietet.“
Also wird in Stockerau weitersaniert. Fünf bis sieben Jahre rechnet Dummer, bis die Gemeindebauten der Stadt wieder in Schuss sind.
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